Initiative des Monats: Interview im Baumhaus Wedding

Unsere Initiative des Monats September kommt aus dem wilden Westen Berlins. Die ReMap war im Wedding unterwegs und hat das Baumhaus besucht. Wir haben ein spannendes Interview mit Karen, eine der beiden Gründer*innen, Signe, Vorstandsmitglied, und Meike geführt.

 

ReMap: Karen, kannst Du uns erzählen, wann Ihr mit dem Projekt Baumhaus gestartet seid und was genau das ist?

Karen: Ausgangspunkt war die Idee, ein Baumhaus zu bauen. Dieses Baumhaus soll ein Veranstaltungsraum sein, sowie ein Treffpunkt für Leute, die sich für sozial-ökologischen Wandel engagieren oder engagieren wollen. Das hat hier bei uns in der WG angefangen, im dritten Stock über diesem Raum, in dem das Baumhaus gerade gebaut wird. In 2012 hatten wir in der WG das erste Mal ein Treffen, bei dem wir gemerkt haben, es wäre cool, mehr Orte für sozial-ökologischen Wandel in Berlin zu haben.

Nachdem dieser Raum lange leer stand, haben wir letztes Jahr die Erlaubnis bekommen, ihn auszubauen. Das Projekt beinhaltet drei verschiedene Ebenen. Es gibt zum einen den Raum an sich, dann gibt es den Verein und die verschiedenen Projekte, die er unterstützt. Zum Beispiel gibt es eine Lyrik-Gruppe, eine Gruppe die zum Thema Klima arbeitet und auch eine Zero Waste Initiative. Jeden Donnerstag findet hier eine Küfa („Küche für alle“) und eine Jam Session statt. Wir organisieren auch seit 2013 einmal im Jahr ein kleines Festival, das „Emergent Berlin & Wedding Festival“.

Das Baumhaus wird von zwei Trägern unterstützt: Einmal der Raum als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (Gbr), ein soziales Unternehmen und der gemeinnützige Verein. Der gemeinnützige Verein ist für die ganzen öffentlichen Veranstaltungen und Aktivitäten hier im Raum verantwortlich. Die Gbr stellt dem Verein Räume zur Verfügung. Dann gibt es auch das Netzwerk. Darunter verstehe ich Leute, die sich nur punktuell engagieren oder die in anderen Vereinen in Wedding aktiv sind, wie zum Beispiel die „Wedding Wandler“ und das „Himmelbeet“. Um sich beim Baumhaus zu engagieren, muss man also nicht Mitglied des Vereins sein.

ReMap: Wie wurde das Baumhaus gebaut und wie habt Ihr es finanziert?

Karen: Ganz viele Leute haben ehrenamtlich mitgearbeitet! Vom Architekten bis zum Brandschutzprüfer, alles ehrenamtlich. Wir haben auch zwei Mal Crowdfunding gemacht. Für die Gründung der Gbr haben die zwei Gründer Scott und ich einen Kredit aufgenommen. Nur wenige Sachen, wie Sanitär oder Elektrik mussten wir von einer Firma einrichten lassen.

Ich glaube, dass ist hier noch ein Mix zwischen Baumhaus und „Bauhaus“. Die Veranstaltungen, die schon hier laufen sind Baumhaus und der Rest ist Bauhaus. Bauhaus wird dieses Jahr noch eine Weile so weiter gehen.

ReMap: Was glaubst Du, wann seid Ihr fertig? Oder soll es überhaupt irgendwann fertig sein?

 Karen: Ich glaube, dass es immer im Wandel sein wird. Das finde ich etwas schöner. Ein Baum wächst auch. Ich mag die Idee, dass jeder vorbei kommen kann und was Neues entwickeln kann. Sowohl inhaltlich mitwirken als auch die Räumlichkeit weiter gestalten.

 ReMap: Habt Ihr einen Überblick, wie viele Leute hier ungefähr involviert sind?

 Signe: Ich schätze mehrere Hundert. Das Projekt besteht seit fünf Jahren. Und seit fünf Jahren machen echt viele Leute mit. Es gibt auch einiges an Fluktuation. Es gibt natürlich Leute, die vor fünf Jahren da waren, die heute nicht mehr dabei sind. Aber ich glaube gefühlt, für jeden der gegangen ist, sind drei neue gekommen. Es engagieren sich hier viele Leute aus der Nachbarschaft aber auch aus der ganzen Welt.

 ReMap: Wie kommuniziert Ihr mit den Aktiven. Ist es eher online oder eher hier vor Ort, in der Gerichtstraße?

 Signe: Vor allem in der Nachbarschaft hier, ich glaube nicht, dass sie alle unsere Facebook-Freunde sind. Im Sommer wenn wir viel draußen sind, halten viele Leute und fragen „Was ist das hier? Kann ich mitmachen?“ Oder wenn wir ein Angebot haben wie z.B. einen Tauschmarkt, dann kommen die Leute rein und machen mit.

 Meike: Die Facebook-Nutzung ist auch doll gestiegen, weil es eine gute Plattform ist, um Veranstaltungen zu bewerben. Aber auch offline, und einfach hier sein, mit offener Tür ist ein Anziehungspunkt für viele Leute, die einfach vorbei laufen. Online und offline ist ein unterschiedliches Publikum.

 Signe: Am Anfang war es auch ziemlich spannend, dass einfach total unterschiedliche Leute hier waren. Also Menschen, die jetzt eher in die ökologische Schiene passen und versuchen wollen, die Welt zu verbessern. Aber auch Designer, die sich noch nie viel Gedanken um Nachhaltigkeit gemacht hatten und einfach irgendwas gestalten wollten. Dazu auch Leute, die das Gefühl hatten, ihnen fehlt etwas, und deshalb vorbei gekommen sind. Das war ziemlich spannend.

 ReMap: Könnt Ihr Euch ein Baumhaus anderswo in Berlin vorstellen?

 Karen: Uns sagen immer Leute „Wäre das nicht cool, ein Baumhaus in Neukölln oder in Treptow oder an anderen Orten zu haben?“ Irgendwie fehlen solche offenen Orte in Berlin. Andere haben gesagt, dass sie sich überlegen, ein Baumhaus in anderen Städten zu bauen.

Ich habe den Eindruck, dass gerade viele auf der Suche sind, im Umbruch, wie geht es weiter? Leute, die schon aktiv sind, die schon lange gärtnern oder solche kleinen Projekte machen. Wir merken, da kommen Leute zu uns, die nach etwas Neuem suchen. Ich glaube schon, dass im nächsten Jahr viel Neues entstehen wird. Ob wir merken, dass wir mehr Baumhäuser brauchen oder ob das was ganz anderes wird? Mal gucken. Wenn wir als Beispiel dienen können, fände ich es super.

 ReMap: Mit Blick in die Zukunft, was wünscht Ihr Euch, was kann das Baumhaus hier im Kiez bewegen?

 Karen: Ich glaube ein bisschen was ist schon passiert. Ich wünsche mir aber dennoch, dass es weiter wächst. Dass Leute aus verschiedenen Szenen und mit verschiedenen Hintergründen sich hier begegnen und treffen. Dass sich hier einfach Leute als Nachbarn begegnen. Dann finde ich spannend, wie viele Sachen jetzt entstanden sind, dadurch, dass es uns im Viertel gibt. Leute hatten eigene Ideen und haben das Baumhaus als Plattform benutzt um sie fortzuführen. Ich hoffe, dass es in Zukunft so weiter geht und dass es so offen bleibt. Ich wünsche mir, dass sich verschiedene Szenen weiter hier treffen und dass immer neue Sachen entstehen.

 Hat Dich das Interview neugierig gemacht? Besuch das Baumhaus, in der Gerichtstraße 23, 13347 Berlin.

Hier geht’s zur

Projektseite:

www.baumhausberlin.de

Im Baumhaus finden die folgenden Veranstaltungen regelmäßig statt:

_ Morgenmeditation (jeden Di)

_ Community Night & Improvisational Groove Orchestra - vocal jam session (jeden Do)

_ Baumhaus Disco Cleaning & Sunday Evening Meetup (jeden So)

_ Trashy-Tuesday

_ Baumhaus Repair Café

_ Lunch im Baumhaus

_ Lyrik im Baumhaus

Das Interview führte Diane Le Naour.