Zero Waste News: Zurück zur Kultur der Reparatur

Schaut man eine oder zwei Generationen zurück, war Reparieren noch der übliche Weg, wenn der Bezug eines Polstermöbels verschlissen war oder sich der Absatz eines Schuhs gelockert hatte. Man ging zum Schuster, Polsterer oder einem kleinen Reparaturbetrieb, um die wertigen und in der Anschaffung teuren Dinge für einen Bruchteil des Neupreises wieder ansehnlich und nutzbar zu machen. Nach der Aufarbeitung konnten die Besitzer noch jahrelang Freude daran haben. Auch der Gang zu Schneider*innen, um dort defekte Reißverschlüsse zu ersetzen oder nicht mehr passende Kleidung umzunähen wurde von vielen Leuten gern genutzt.

Wie sieht es heute aus?

Die durchschnittliche Nutzungsdauer von Möbeln, Kleidung und technischen Geräten ist in den letzten Jahrzehnten massiv zurückgegangen. Bei großen Modeketten ist Kleidung oft so günstig, dass man sich beim Einkauf keine großen Gedanken machen muss, ob man das Teil überhaupt trägt oder ob es vielleicht nach zwei Waschgängen schon auseinanderfällt, weil es ja nur ein paar Euro kostet. Niemand würde in solch eine Jeans, die vielleicht 10 Euro gekostet hat, einen neuen Reißverschluss einnähen lassen, weil die Kosten dafür wahrscheinlich den Neuwert der Ware übersteigen würden. Ähnlich verhält es sich mit der Reparatur günstiger Möbel. Technische Geräte wie Flachbildfernseher gelten nach zwei Jahren für einige Nutzer bereits als veraltet und kommen auch dann auf den Müll, wenn sie noch voll funktionsfähig sind.

Selbst wenn man mit dem Gedanken spielt, seinen kaputten Fernseher reparieren zu lassen, wird man von Horrorgeschichten über ausufernde Kosten und Wucherpreise unseriöser Reparaturanbieter vielleicht davon abgehalten, aber:

Die stark wachsende Repair- und Do-it-yourself Bewegung ist ein klares Indiz dafür, dass bei einem steigenden Anteil der Menschen ein Umdenken einsetzt.

Reparatur lohnt sich auch heutzutage für die Umwelt und den Geldbeutel, wenn man dabei ein paar wichtige Punkte beachtet:

1.       Lieber hochwertige und reparaturfreundliche gebrauchte Dinge kaufen als minderwertige Neuware

2.       Seriöse und alteingesessene Reparaturbetriebe vor Ort nutzen, bei denen man sich persönlich ein Bild machen kann [link Berliner Reparaturatlas]

3.       Immer nach einem verbindlichen Kostenvoranschlag fragen

4.       Lohnt sich eine Reparatur beim Fachmann wirklich nicht mehr, vor dem Neukauf den Weg ins nächste Repair Café [Link Repaircafe.org, reparatur-initiativen.de]raussuchen und hoffentlich glücklich wieder die Rückfahrt antreten

5.       Für viele Problemfälle vom Handy bis zur elektrischen Zahnbürste finden sich im Netz auch gute Reparaturanleitungen und kostengünstige Ersatzteile, die man mit ein wenig Geschick auch zu Hause selbst umsetzen und einbauen kann.

Und nicht vergessen: Lieblingsstücke zu reparieren lohnt sich immer!!