Initiative des Monats: Initiative des Monats: Das Tauschmobil

Das Tauschmobil von Gabi Rimmele auf dem Wochenmarkt in der Seelower Straße gibt es mittlerweile schon seit einer ganzen Weile. Erst im letzten Monat, am 05. Oktober 2019, feierte die Besitzerin ihr siebenjähriges Bestehen. Ich habe das Tauschmobil besucht und mit Frau Rimmele ein kurzes Interview führen können.

Als ich um 10:00 Uhr ankomme, scheint die Sonne und es herrscht schon ein reges Treiben vor dem Wagen am Ende der Straße. Neben der geöffneten Tür des Tauschmobiles stehen verschiedene Kisten mit allerlei Spielsachen, ein Kleiderständer und ein kleiner Tisch mit Stühlen. Bevor ich überhaupt in das Mobil einsteigen kann, muss ich kurz warten, weil sich schon so viele Leute im Inneren des Wagens befinden. Im Wagen selbst wurden Regalböden angebracht, um mehr Staufläche zu schaffen. Auf diesen stehen Gläser, Töpfe, DVDs, Bücher und andere Dinge.

Das Konzept des Tauschmobiles ist einfach: „Eigentlich ist es sogar genau genommen ein ´Schenkmobil´, denn es muss nicht zwangsläufig etwas eingetauscht werden. Es dürfen auch Dinge mitgenommen werden, ohne dass zwangsläufig etwas im Gegenzug mitgebracht und dagelassen werden muss“. Insgesamt darf jede*r Besucher*in bis zu eine Tragetasche gefüllt mit Spielzeug, Kleidung, Haushaltsgegenständen und anderen noch gut erhaltenen Dingen beim Tauschmobil abgeben und in diesem Umfang auch Gegenstände und Kleidung mitnehmen. „Alles muss noch mit den eigenen Händen getragen werden können, damit die einzelnen Gegenstände nicht zu viel Platz einnehmen“. Wenn die Spenden einmal zu umfangreich werden, bringt Frau Rimmele etwas in die Kleiderkammer der Stadtmission oder zum Büchertisch. Generell steht das Tauschmobil bis auf eine kurze Sommer- und Winterpause jeden Samstagvormittag ab 09:30 Uhr bei Wind und Wetter auf dem Wochenmarkt. „Wenn es regnet werden die äußeren Kisten eben notdürftig mit einer Plane abgedeckt.“

Die Idee zur Gründung kam ihr nachdem sie verschiedene Tagungen besucht hatte und immer mehr inspirierende Ideen von Anderen hörte. Irgendwann überkam sie der Wunsch, selbst aktiv zu werden und „einfach zu machen, anstatt weiter Ideen zu konsumieren“. Sie erzählt auch, dass für sie bei der Gründung zuerst vor allem der ökologische Aspekt im Vordergrund gestanden habe. Mittlerweile ginge es jedoch um so viel mehr. Das Tauschmobil sei nicht nur Treffpunkt für Nachbarn geworden, sondern auch ein Ort zum Austausch und der Begegnung mit neuen Menschen. „Viele Leute kommen sogar regelmäßig jede Woche und manchmal auch nur, um ein wenig zu erzählen". Wenn Frau Rimmele einmal in Urlaub fahren möchte, muss sie dies einige Wochen im Voraus ankündigen, damit niemand vor einem leeren Stand steht. Sie erzählt von vielen schönen Erlebnissen und es scheint, als würden sich die Dinge manchmal ganz bewusst neue Besitzer*innen suchen.

Mittlerweile muss sie die große Anzahl an Besucher*innen glücklicherweise nicht mehr alleine meistern. Über die Jahre sind nach und nach einige der Besucher*innen zu einer regelmäßigen Unterstützung geworden und helfen unter anderem bei der Annahme von Spenden und der anschließenden Sortierung. Frau Rimmele erzählt, dass an einem normalen Tag bis zu 400 Leute das Tauschmobil besuchten. Anfallende Kosten, wie für die Versicherung des Autos, trage sie größtenteils selbst - zusätzlich zu ihrer Freizeit, die sie jede Woche gerne aufwendet. Zwar gäbe es einmal im Jahr eine Spendenaktion, jedoch kämen auch damit nicht mehr als knapp ein Viertel der entstehenden Kosten zusammen.

Generell besteht die Möglichkeit, den Wagen auszuleihen, um diese tolle Idee auch auf anderen Märkten umzusetzen. Eine Zeit lang wurde dies sogar von einer Freundin von Frau Rimmele auf einem Markt im Wedding versucht - allerdings habe das Konzept des Tauschens/Schenkens auf diesem Markt leider nicht so gut funktioniert. 

Im Gespräch wurde deutlich, wie viel Freude  Frau Rimmele am Tauschmobil hat, aber auch wieviel Zeit es in Anspruch nimmt. Für so viel Engagement für die Nachbarschaft und den Ressourcenschutz hat sie deshalb größten Respekt verdient, weshalb  wir sie und ihr Tauschmobil hiermit zur Initiative des Monats November ernennen. Wir gratulieren ihr dazu herzlich und wünschen ihr noch viele sonnige und trockene Samstage.