Zero Waste News: Plastik im Meer, Plastik an Land, Plastik Everywhere

Die Medien sind seit einiger Zeit voll mit Meldungen über die gigantischen Plastik-Strudel in den Weltmeeren. Inzwischen ist auch weithin die Quelle dieses Plastiks bekannt, nämlich unser Konsum. Die Auswirkungen des Plastiks auf das Meer und die Meeresbewohner sind verheerend: Meeresvögel und andere Tiere verfangen sich in den größeren Teilen, sobald das Plastik aber in kleinere Teile zerfällt, landet es in den Mägen der Meerestiere und führt dort ebenfalls zu großen Problemen – bis hin zum Hungertod. Doch damit nicht genug: Die Zerkleinerung der Plastikteile geht weiter, bis hin zu Mikro- und Nano-Teilchen. Das sogenannte „sekundäre Mikroplastik“ zieht ebenso wie das „primäre Mikroplastik“ aus Peelings, Zahncreme, usw., Schadstoffe an, die sich darauf anreichern. Da dieses Mikroplastik auch von Meereslebewesen aufgenommen wird, lagern sich die Schadstoffe in den Lebewesen ab. Über die Fischindustrie kommen sie so wieder zurück in unseren Nahrungskreislauf und landen schließlich bei uns auf dem Teller.

Tun statt Ruhen

Viele größere und kleinere Initiativen versuchen etwas gegen die Plastikflut zu tun. Große Müllsammelaktionen an den Stränden werden gestartet und viele andere Anstrengungen unternommen, um das Plastik wieder aus dem Meer zu bekommen, bevor es in nicht mehr sammelbare Größen zerfällt (https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/umwelt/der-erste-muellsammler-nimmt-im-pazifik-seine-arbeit-auf/). Doch ist wegräumen wirklich die Lösung des Problems? Natürlich ist es sinnvoll, die Plastikstrudel der Weltmeere wieder aufzulösen, allerdings wird diese Sisyphusarbeit auf Dauer nicht ausreichen. Teil der Lösung muss es sein, stärker auf die Ursachen aufmerksam machen, wie Kea Hinsch es diesen Sommer getan hat (https://www.bund.net/meere/mikroplastik/bund-muellkampagne/tour-de-meeresmuell/) und außerdem müssen wir insgesamt unseren Umgang mit Plastik reflektieren.

Land unter

Das Meer scheint für viele von uns in weiter Ferne, doch auch an Land haben Forscher der FU Berlin kürzlich herausgefunden, dass Mikroplastik negative Auswirkungen auf die Böden und die Bodenlebewesen hat (https://www.fu-berlin.de/presse/informationen/fup/2018/fup_18_210-mikroplastik-im-boden/index.html). Die Forscher warnen zwar vor Schlüssen, da sie Langzeiteffekte noch nicht berücksichtigt haben, doch geht klar daraus hervor, dass Mikroplastik einen negativen Einfluss auf die Bodenökologie hat.

Kunststoffe sind überall

Wir umgeben uns mehr und mehr mit Kunststoffen, einerseits gewollt, da Kunststoffe heutzutage  praktische und als Werkstoff aus einigen Bereichen nicht mehr wegzudenkenden Eigenschaften besitzt. Andererseits auch ungewollt, wie die obigen Beispiele zeigen. Das Problem vor dem wir stehen ist komplex, darum bedarf es auch komplexer Lösungen. In der Vermeidung liegt die Kraft --  denn Plastik, das nicht von uns gekauft wird, kommt auch nicht in die Umwelt. In diese Richtung zeigte auch der Vorschlag der EU-Kommission für eine europäische Plastikstrategie (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:52018DC0028&from=EN) die zumindest das Vorkommen von Kunststoffabfällen in der Umwelt eindämmen will. Dieser Vorschlag geht uns jedoch nicht weit genug, denn wie auch unsere europäischen Freunde von Friends of the Earth Europe sagen: „An erster Stelle sollte die Entstehung von Abfall beim Umgang mit Plastik vermieden werden“ (http://www.foeeurope.org/parliament-vote-biodegradable-plastics). Auch neu diskutierte Maßnahmen wie „oxo-abbaubare“ oder „kompostierbare“ Kunststoffe können keine langfristigen Lösungen darstellen, um Einwegverpackungen weiter zu fördern und deren Produktion voranzutreiben.

Der Großteil der Probleme, die der hohe Einsatz an Plastikverpackungen heute mit sich bringen, lassen sich durch zwei einfache Methoden lösen:
Erstens, einen alternativen Umgang mit Verpackungen, sprich: Mehrweglösungen und eine vehemente Reduktion an Verpackungsmaterial. Hier kann neben Politik und Industrie auch jede*r Einzelne etwas tun, indem Einwegverpackungen konsequent im Regal gelassen werden oder gleich Verpackungsarm bzw. -frei eingekauft wird.
Zweitens muss  das Recycling der eingesetzten Kunststoffe stark erhöht werden. Dies kann nur durch zwei Wege erfolgen, die Industrie und Konsument*Innen gemeinsam gehen: Schadstofffrei hergestellte, und somit gut recycelbare Verpackungen, die dann von Verbraucher*Innen sauber getrennt dem Recycling zugeführt werden, erhöhen automatisch das Angebot von Recyclingkunststoffen, die dann auch wieder zu Verpackungen verarbeitet werden können.