Zero Waste Tipp: Und wenn ich doch mal was brauche? Nachhaltig online einkaufen in Corona-Zeiten

Wir alle verbringen gerade viel mehr Zeit zu Hause als gewöhnlich. Außer Lebensmittelgeschäften, Apotheken und Baumärkte (Stand 11.4. für das Bundesland Berlin) haben alle Geschäfte bis auf unbestimmte Zeit geschlossen. Wenn nun die Glühbirne oder der Drucker kaputt gehen, scheint die einzige Möglichkeit, diese online zu bestellen. Weiterhin bringt uns die viele Zu-Hause-Zeit auf die Idee, lange geplante Hobbies nun endlich mal umzusetzen. Aber worauf sollten wir beim Online-Einkaufen achten, um auch hier nachhaltig zu handeln?Die Zahlen des Onlinehandels vor Corona

Das Marktvolumen des deutschen Onlinehandels ist 2018 auf 53 Milliarden Euro gewachsen – Tendenz steigend! Immer mehr Menschen entdecken Online-Shopping für sich. Am beliebtesten waren dabei bisher Kleidung sowie Elektrogeräte 1. In der Coronakrise ist Onlineshopping oft eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, um Produkte und Güter auf möglichst hygienischem Weg und trotz Ladenschließungen zu beschaffen.

Mehr Online-Shopping während Corona?

Dennoch verzeichnet auch der Onlinehandel einen Rückgang im Konsumverhalten bei genannten Gütern 2. Während im Supermarkt vor allem Lebensmittel und Produkte des täglichen Bedarfs nachgefragt werden, sind es im Onlinehandel derzeit Güter, die vielen den Alltag zu Hause erleichtern sollen: Tischtennisplatten, Fitnessgeräte oder Zubehör sowie Puzzle sind im Schnitt 2 bis 3 mal so gefragt wie vor der Krise3.

Nachhaltig online einkaufen: Worauf kommt es an?

Der Onlinehandel birgt erstmal viele nicht nachhaltige Praktiken: So werden Produkte oft aufwendig in Pappe, Plastik, Styropor oder Schutzfolien verpackt, um unversehrt angeliefert zu werden. Es entstehen darüber hinaus Transportkosten der Paketdienste. Hinzu kommen die zahlreichen Rücksendungen von Kundinnen und Kunden, bei denen die Produkte, vor allem Bekleidung, oft nach Rücksendung direkt vernichtet werden. Jedes sechste Paket wird zurückgeschickt. Im Jahr 2018 waren das allein in Deutschland 532 Pakete pro Minute4! Geschätzte 20 Mio. Produkte wurden von den Händlern anschließend entsorgt – es entsteht unnötiger Müll durch Güter, die aufwendig produziert aber nie genutzt wurden5!

Doch online einkaufen kann auch nachhaltig geschehen: Es gibt bereits ein großes Angebot an Onlineshops, die mit nachhaltigen Produkten und Qualitätsstandards arbeiten. Die Ökobilanz kann sogar besser ausfallen beim Onlineshopping, wenn dadurch auf eine längere Autofahrt zum Fachhandel verzichtet wird. Das ist vor allem in ländlichen Regionen ein Argument für Auslieferungen per Paketbote.

Einige Auflistungen und Anregungen für nachhaltige Shops findet ihr z.B. bei WeGreen, oder Utopia. Dabei geht es nicht nur um nachhaltige und plastikfreie Produkte, sondern auch um deren Auslieferung und ob das Unternehmen eigene Nachhaltigkeitskriterien verfolgt. Um nachhaltig online einzukaufen solltet ihr deshalb folgende Fragen vor dem Kauf überprüfen:

  • Verkauft der Onlineshop Produkte mit Nachhaltigkeitssiegel?

Dazu gehören je nach Produktart z.B. der blaue Engel, das EU Ecolabel, GOTS oder FSC. Eine Übersicht zu Siegeln findet ihr beim Umweltbundesamt oder auch sehr detailliert bei Stiftung Warentest.

  • Erfolgt der Versand CO2-neutral?

Viele nachhaltige Onlineshops gleichen die entstehenden Emissionen aus oder – noch besser - versuchen einen möglichst emissionsarmen Versand zu ermöglichen – z.B. auch mit E-Autos oder Lastenrädern (DHL und DPD bieten dies derzeit an). Lagerkapazitäten und eine Herstellung in Deutschland/Europa sorgen außerdem für allgemein kürzere Lieferwege.

  • Achtet der Onlineshop auf wenig oder recyclebare Verpackung?

Statt Schutzfolien, Styropor und Co. gibt es viele Alternativen: recyclebare Verpackungen aus Pappe, Stroh oder auch Mehrweg-Systeme, die verwendet werden können. Informiert euch vorm Kauf darüber, wie der Onlineshop die Verpackung gestaltet.

  • Hat das Unternehmen auch sonst ein Nachhaltigkeitskonzept?

Um die Nachhaltigkeit vollständig zu denken, solltet ihr auch beachten, ob das Unternehmen, das die Produkte anbietet z.B. mit Ökostrom arbeitet und auf seinen eigenen ökologischen Fußabdruck achtet. Auch hier gibt es ein Zertifikat für Unternehmen, das Umweltmanagement bestätigt: EMAS.

Und hier nochmal zusammengefasst 4 Tipps und Kriterien, um sowohl während als auch nach der Coronakrise nachhaltig einzukaufen:

  1. Ganz generell: Brauche ich das wirklich? Gibt es die Option es vielleicht Second Hand zu kaufen?

  2. Mit Bedacht einkaufen und Retouren vermeiden

  3. Auf Siegel und Nachhaltigkeitsstandards achten

  4. Besonders in Corona Zeiten, aber immer sinnvoll: lokale Unternehmen unterstützen und somit auch Transportwege kürzen – gerade zur Zeit gibt es viele Angebote!

  5. Soziale Aspekte mitdenken: Paketdienste leisten gerade viel und werden oft schlecht bezahlt!



1 Handelsverband Deutschland 2019: Online Monitor 2019 Internetadresse: https://einzelhandel.de/index.php?option=com_attachments&task=download&id=10168

2 Spiegel 6 April 2020: Auch Onlinehandel klagt über sinkende Umsätze https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-krise-auch-online-handel-klagt-ueber-sinkende-u...

3 Check24 Presseportal 3 April 2020: https://www.presseportal.de/pm/73164/4563443