Zero Waste Tipp: Wenn das stille Örtchen rumort – Wie wir unser Abwasser besser behandeln können

Wenn das stille Örtchen rumort – Wie wir unser Abwasser besser behandeln können  

 „Flutsch und weg“ ist wohl bei den meisten Toiletten angesagt. Über die Abwassersituation und Sanitärversorgung machen wir uns in Deutschland und Europa im Alltag wenig Gedanken. Unsere Kanalisation und Klärwerke sind ein Luxus, den wir viel zu wenig schätzen! Deshalb wollen wir heute erklären, was das Abwassersystem leistet und wie wir es besser erhalten können. Denn dabei geht es nicht nur um immer höhere Kosten für eine aufwendige Klärung und Reinigung unseres Abwassers, sondern auch um den Umweltschutz, sauberes Wasser sowie gute stoffliche Verwertung! In Abwasser steckt mehr (interessantes), als viele denken! In Deutschland gibt es über 9000 Kläranlagen – 6 Großkläranlagen allein im Land Berlin; dorthin wird unser Abwasser auf einer Länge  von fast 600.000 km geleitet (in ganz Deutschland)i.  

Über 90 Prozent der deutschen Haushalte sind an die Abwasserkanalisation angeschlossen, sodass im europäischen und internationalen Vergleich eine große Menge an Grau- und Schwarzwasser (das Abwasser, das aus unseren Spülen, Duschen und Toiletten kommt) gereinigt wirdii.  

Damit unsere Kanalisation auch weiterhin gut funktioniert und etwa 250 Meter lange Fettberge wie der 2017 in London gefundene nicht auch bei uns in Berlin auftreten, sollten wir ein paar einfache Dinge im Alltag beachten.  

Darf ich das in die Toilette werfen? – Meistens gilt „außer Po darf nichts aufs Klo“!   

Eine oft gestellte Frage ist, was man ins Klo kippen darf und was nicht – und warum. Durch die falsche Handhabung belasten wir das Abwasser zusätzlich – wodurch hohe Kosten entstehen und die Wasserbetriebe zunehmend gefordert sind, um eine gute Wasserqualität zu garantieren.  

Dabei gibt es ein paar einfache Tipps und Regeln, die helfen, unsere Sanitärversorgung stabil und auch kostengünstig zu erhalten. Das darf alles nicht ins Klo: 

  1. Arzneimittel  

Abgelaufene Schmerztabletten, der alte Hustensaft oder die Thrombosespritze sollten auf keinen Fall in die Toilette geworfen werden! Rückstände von bis zu 269 Arzneimittelstoffen können mittlerweile in Seen oder Flüssen nachgewiesen werden und belasten dadurch nicht nur die Umwelt, sondern wiederum unser eigenes Trinkwasser. Unter den häufigsten nachgewiesenen Mitteln befinden sich Schmerzmittel, Antibiotika oder auch Betablockeriii. Um die vielen Rückstände besser aus dem Abwasser filtern zu können, bräuchte es mittlerweile eine 4. Klärstufe die z.B. mittels Oxidation mit Ozon oder Aktivkohlefilter arbeitetiv.   

In Berlin nehmen die Recyclinghöfe Medikamentenabfälle an sowie auch viele Apotheken auf Nachfrage. Mehr Information bietet hierzu auch Berlin  (https://www.berlin-recycling.de/entsorgung/weitere-entsorgungen/haushalt/medikamente-entsorgen)  

  1. Farben, Lacke, Öle  

Viele Farben und Lacke enthalten giftige Gase oder Chemikalien, die nicht aus dem Wasser gefiltert werden können oder sich an die Abwasserrohre legen und diese porös machen können.  

Farb- und Lackreste sollten deshalb auf keinen Fall in die Toilette oder das Spülbecken gekippt, sondern bei einem Recyclinghof der BSR mit Schadstoffsammelstelle entsorgt werden. Hier gibt es Abgabestellen in Berlin.  

  1. Speisereste  

Bestimmt kennen viele das Problem mit übrigen oder verdorbenen Speiseresten, überschüssiges Fett in der Pfanne oder der Suppe von vorvorgestern. Speisereste dürfen jedoch nicht in die Kanalisation gelangen. Dort locken sie einerseits Ratten an, verstopfen aber auch die Rohre! 

Speisereste werden über die Biotonne entsorgt. Dieser Entsorgungsweg hält die Abwasserrohre frei von störenden Stoffen und aus den Speiseresten entsteht Biogas und Kompost. Generell gilt aber das Motto auch hier: vermeiden statt recyclen – wo möglich. Mit Hilfe von Foodsharing, restlos glücklich oder realjunkfoodproject kann auch das besser gelingen! 

  1. Hygieneartikel  

Wer schon mal ein Taschentuch in der Waschmaschine versehentlich mitgewaschen hat weiß: Diese Tücher lösen sich nicht einfach so auf. Auch diverse Hygieneartikel wie Taschentücher, Feuchttücher, Wattepads oder Wattestäbchen sind aus reißfesten, robusten Materialien hergestellt, die Pumpen und Abflüsse verstopfen – dies kann sogar einen Rückstau bis in die heimische Dusche oder Spüle verursachen! 

Es lohnt sich also, einen kleinen Restmülleimer im Bad aufzustellen, falls diese Produkte häufiger verwendet werden. Die nachhaltigere Alternative dazu ist, z.B. auf einmal Produkte zu verzichten und wiederverwendbare Stoffpads, Menstruationstassen und waschbare Tücher umzusteigen.  

 

Die Stadtentwässerung Dresden hat dazu bereits eine eigene Kampagne gestartet mit kecken „Reimscheisser“-Sprüchen, die auf die Problematik von Müll am stillen Örtchen hinweisen:  

  

 @stadtentwässerung Dresden

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