Zero Waste Blog: Vieles ist seliger als Geben

Wer es schafft, Weihnachten ohne (größere) Geschenke zu absolvieren, ist in Sachen Ökobilanz auf der sicheren Seite. Das ist nicht ganz neu. Überraschender ist vielleicht, dass den wenigsten Menschen nach eigener Aussage die Materialschlachten zum Jahresende wirklich wichtig sind. Ein Auszug aus den neuesten Erkenntnissen der Weihnachtsforschung.

Über die Müllprobleme, die exzessives Schenken zu Weihnachten verursacht, haben wir vor genau einem Jahr schon geschrieben.[1] Widmen wir uns also einer anderen Frage, nämlich der, wie sehr das Schenken und Beschenktwerden überhaupt gewollt wird. Unsere These ist: wesentlich weniger, als es sich tatsächlich im vorweihnachtlichen Shoppingaufkommen spiegelt. Das können wir belegen, denn praktischerweise hat das Statistikportal Statista kürzlich die Ergebnisse Dutzender einschlägiger Umfragen im Dossier „Weihnachten in Deutschland“ gebündelt. [2]

Warum feiern die Bundesbürger*innen Weihnachten? Ist doch klar: „Weil die Familie zusammenkommt“. Diese Antwort trifft bei 69 Prozent der Befragten zu. Auf Platz zwei folgt, „Die Lichter, die Musik, die Gerüche. Es ist eine schöne Tradition.“ (41 Prozent). Erstaunliche 25 Prozent entscheiden sich für „Weil ich an Jesu Geburt denke“, während 16 Prozent Weihnachten feiern, weil sich die Kinder freuen. Abgeschlagen bei 10 und 6 Prozent rangieren die Antworten „Weil ich Geschenke machen kann“ und „Weil ich Geschenke bekomme“. Kurz gesagt: Geben ist zwar seliger als Nehmen, aber längst nicht so wie der Rest der Weihnachtszutaten.

Zeit statt Zeug spart Streit

Recht ähnlich fallen die Antworten auf die Frage aus, worauf man sich am meisten freut im Zusammenhang mit Weihnachten. Ganz klar vorne: die mit Familie und Freund*innen verbrachte Zeit (82 Prozent). 61 Prozent (Mehrfachnennung möglich) freuen sich darauf, Weihnachtsmärkte zu besuchen und 60 Prozent auf das Weihnachtsessen. Geschenke zu verschenken ist für 58 Prozent der Befragten Grund zur Vorfreude, das liegt gleich auf mit der Aussicht, die Wohnung weihnachtlich zu schmücken. Erst nach Plätzchen backen (46 Prozent) und Weihnachtsmusik hören kommt für 36 Prozent das Beschenktwerden als Grund, sich auf Weihnachten zu freuen.

Auch bei den Gründen, die zur Weihnachtsstreit für Streit sorgen, spielen die Geschenke keine besonders große Rolle. Gerade einmal 7 Prozent streiten mit ihren Partner*innen über Weihnachtsgeschenke, die nicht gefallen, und 17 Prozent über die Art und Weise, wie Geschenke für Dritte besorgt werden. Wesentlich konfliktträchtiger ist da das Verhalten von Verwandten (32 Prozent) und die Tatsache, dass zu wenig Zeit zu zweit verbracht wird (29 Prozent). Zeit statt Zeug wäre hier also eine gute Geschenkidee – allein schon für die gute Stimmung in der Beziehung.

Secondhandgeschenke als Einstieg in den Konsumausstieg

Aber wir wollen gar nicht leugnen, dass es einen kulturell gewachsenen Zusammenhang zwischen Weihnachten und Schenkvorgängen gibt. Aber das muss nicht für immer so bleiben, zumal der Übergang vom Schenken zum Nichtschenken durchaus ein fließender ist. Warum nicht damit anfangen, gebrauchte Dinge zu verschenken? Immerhin 19 Prozent der Bundesbürger*innen geben an, gezielt Secondhandware zu verschenken. Dabei gibt es auffällige Altersunterschiede: Unter den 50–70-Jährigen geben dies nur 12 Prozent an, während es bei den 16–29-Jährigen 27 Prozent sind. Das lässt für die Zukunft durchaus hoffen.

Fazit: Das Schenken und Beschenktwerden ist längst nicht so wichtig, wie man beim vorweihnachtlichen Besuch von Fußgängerzonen und Onlinehandelsplattformen denken möchte. Wer sich davon absetzt, läuft wirklich nicht Gefahr, sich ins gesellschaftliche Abseits zu katapultieren.