Zero Waste Blog: CLX 3185 bleibt!

Wenn Reparaturkosten hoch und Preise für Neuware niedrig sind, landen Elektrogeräte schnell im Müll, obwohl die Schäden eigentlich leicht zu beheben sind. Abhilfe schaffen in diesem Fall nur Einrichtungen, die jenseits der Marktlogik operieren. Ein Erfahrungsbericht aus dem Repair Café von Sebastian Petrich.

Drucken? Wer druckt heute noch Dokumente aus? Ich, zumindest gelegentlich. Aber wenn es nur für den Hausgebrauch ist, nutze ich dafür bereits einseitig bedrucktes Papier, man möchte schließlich Ressourcen sparen. Manche Druckerhersteller warnen vor dieser Papierzweitverwertung, weil der alte Toner verschmieren oder es zum Papierstau kommen könnte. Bei meiner Druck-, Kopier- und Scaneinheit hat der Hersteller Samsung keine derartigen Bedenken, vielmehr weist er auf diese Möglichkeit hin (löblich!). Tatsächlich staut sich das Papier manchmal, aber nach meiner Beobachtung spielt es dabei keine Rolle, ob das Papier frisch ist oder vor Jahren schon mal einseitig bedruckt wurde. So oder so öffnet man den Papierschacht oder die Klappe auf der Rückseite und zieht das hängengebliebene Papier einfach heraus.

Genau das versuchte ich unlängst, als sich das Papier wieder einmal staute. Vergeblich. Weder von unten noch von oben ließ sich das Blatt entfernen. Ein paar Fetzen rissen ab, der Rest blieb unsichtbar und ungreifbar im Inneren des Druckers. Was sollte ich tun? Einen derart hartnäckigen Papierstau sieht das Benutzerhandbuch für Samsung CLX 3185 nicht vor. Zähneknirschend musste ich eingestehen, mit meinem Reparaturlatein am Ende zu sein. Nun also müssen andere ran, am besten Profis (meinetwegen auch Christian Lindner, sollte er sich tatsächlich auf praktische Dinge verstehen[1]).

Es geht nicht nur ums Geld

Mit mindestens 200 Euro Reparaturkosten inklusive Anfahrt solle ich rechnen, sagen die telefonisch kontaktierten Reparaturbetriebe unisono. Ob sich das wohl lohne? Wohl kaum. 190 Euro hat das Ding vor über acht Jahren gekostet, ein gebrauchtes Gerät des gleichen Modells bekäme ich jetzt für 110 Euro und ein technisch deutlich weiter entwickeltes Nachfolgemodell für etwas mehr als 300 Euro.

Ökonomisch scheint die Sache klar zu sein: CLX 3185 und ich haben wohl keine gemeinsame Zukunft. Aber nur wegen eines Papierstaus einen Drucker ausrangieren? An diesem Punkt beginnt es eine Frage der Ehre zu werden.

Remap hilft

Wenn kommerzielle Reparaturdienste nicht weiterhelfen können, lohnt sich der Blick auf die Remap, das große Berliner Re-Use-Portal.[2] Sucht man dort nach „Computer & Co“ und „reparieren“, so erscheinen knapp zwei Dutzend Repair Cafés auf der Karte. In jedem Bezirk gibt es mittlerweile mindestens einen dieser Orte, an denen man zu bestimmten Zeiten auf Bastler*innen und Tüftler*innen stößt, die ehrenamtlich bei der Reparatur der verschiedensten Dinge helfen. Nun könnte ich eines der für mich günstig gelegenen Neuköllner oder Kreuzberger Repair Cafés oder das zeitlich nächste aufsuchen (die meisten Repair Cafés finden einmal im Monat statt). Stattdessen frage ich Daniel Affelt, der für den BUND Repair Cafés organisiert und in der Szene bestens vernetzt ist, welches Repair Café für mein Anliegen das geeignete ist, und melde mich darauf beim vom BUND veranstalteten Repair Café Schöneberg an, das jeden dritten Montag im Monat stattfindet.[3]

Kurz vor 18 Uhr ist die Bude beim BUND in der Schöneberger Crellestraße schon gut gefüllt. Trotz Terminvergabe lassen sich Wartezeiten nicht immer vermeiden, weil Reparaturen länger dauern können als kalkuliert oder weil nur ein*e einzige*r Reparateur*in über bestimmte Kenntnisse verfügt. Um mich und meinen Drucker kümmert sich Erik.

„Bist du sicher, dass da Papier drin ist?“

Schrecksekunde: Auf den ersten Blick sieht man überhaupt nichts von dem gestauten Papier. Aber doch, ich bin mir sicher! Also wird der Drucker auseinandergenommen. Erik ist zwar kein Experte für Samsung-Drucker, aber im Gegensatz zu mir geht er zielstrebig und logisch vor. „Siehst du die Nummer auf der Trommel?“, fragt er. Wenn auf diesem Teil eine Artikelnummer steht, um nachgekauft zu werden, dann muss es auch auswechselbar sein. Aber wie? Das Ding sitzt hoffnungslos fest. Während Erik es zu lösen versucht, bekomme ich auch eine Aufgabe. Ich darf auf youtube nach „clx 3185“ und „Tonerwechsel“ zu suchen. Dort schauen wir uns die Lösung an: einfach mit Gewalt herausziehen. Das hätte ich mich alleine nie getraut.

Die Trommel ist jetzt draußen, aber von dem Papier ist immer noch nichts zu sehen. Also muss das nächste Einzelteil raus. Irgendwann kommt nur noch die Heizeinheit als Papierversteck infrage. Wieder hilft youtube (Suche nach „disassembly heater clx 3185“). Was die Leute auf dem Video erzählen, verstehen wir zwar nicht (vermutlich sprechen sie Koreanisch), aber sie zeigen den Aus- und Einbauvorgang der Heizeinheit, der durchaus etwas tricky ist.

Klarer Fall von Marktversagen

Nun gilt es nur noch die Heizeinheit selbst aufzuschrauben – und endlich kommt ein total zerknülltes Stück zweiseitig bedrucktes Papier zum Vorschein. Nach gut zwei Stunden ist alles wieder zusammengesetzt, CLX 3185 funktioniert wieder, hoffentlich für mindestens weitere acht Jahre (und selbstverständlich werde ich das Gerät weiterhin mit einseitig bedrucktem Papier füttern). Es ist ein erhebendes Gefühl, zugleich aber auch erschreckend, denn ohne die ehrenamtliche Hilfe und ohne die gemeinnützige Struktur, die Repair Cafés überhaupt ermöglicht, hätte ich wahrscheinlich einen prinzipiell noch gut funktionierenden Drucker ausrangiert und durch einen neuen ersetzt.

Dieser Fall zeigt ganz deutlich, dass der Markt alles Mögliche regeln kann, aber bestimmt nicht den vernünftigen Umgang mit Ressourcen und Arbeit. Damit das große Wegwerfen aufhört, müssen Reparaturen grundsätzlich wieder die erste Option werden. Und wenn sich das Reparieren betriebswirtschaftlich nicht rentiert, muss der Staat dafür sorgen, dass es dennoch passiert, Markt hin oder her.

Übrigens: Der BUND sucht für seine beiden Repair Cafés in Schöneberg und Steglitz dringend Ehrenamtliche für Empfang und Gästebetreuung! Willst du mithelfen? Mehr Infos bei affelt@BUND-Berlin.de oder 030 78790060.