Zero Waste Blog: Geld, Raum und Netze

Nach zwei Jahren Vernetzungsarbeit können wir vom BUND-Projekt „Berlins Weg zu Zero Waste“ eines mit Sicherheit sagen: Die Zero-Waste-Szene in Berlin ist deutlich größer und vielfältiger, als man auf den ersten Blick denken könnte; es gehören nicht nur die üblichen Verdächtigen dazu. Neben den Aktiven aus einem breiten zivilgesellschaftlichen Umfeld tummeln sich immer mehr Start-ups und auch einigermaßen etablierte Unternehmen in der Szene (Ja, auch wenn sich ein Großteil der Zero-Waste-Aktivitäten der Marktlogik entzieht, kann man auch mit Müllvermeidung Geld verdienen, was wir natürlich sehr begrüßen). Einen Überblick zu den sehr unterschiedlichen Angeboten gibt es auf der ReMap.(1)

Rechtzeitig bevor die Pandemie physische Zusammenkünfte in größeren Runden verunmöglichte, haben wir Vernetzungstreffen der verschiedenen Teilszenen organisiert. So kamen die Aktiven aus den Bereichen (Alt-)Textilien, Upcycling, Lebensmittel(rettung), Clubs & Nachtleben, Reparatur und Teilen & Schenken zusammen. Fazit der Treffen: Man kennt sich jetzt besser untereinander, was gut ist – aber dabei darf es nicht bleiben! Die Aktiven haben so viele gemeinsame Anliegen, die sich besser zusammen durchsetzen lassen. So zeigte sich bei der Diskussion um die Wiedereinführung der Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen,(2) dass es immer noch keinen Interessen- oder Berufsverband für kommerziell aktive Upcyclinger*innen gibt, was sicherlich sinnvoll wäre.

Zusammen finden wir mehr Gehör

Ganz gleich, ob auf Bundes- oder Landesebene, ob als (offener) Brief oder Anruf: Interventionen in der Politik sind umso erfolgreicher, je stärker die Allianz ist. Dieses Zusammenschließen der einzelnen Kräfte macht allerdings Arbeit. Die Aktiven müssen sich nicht nur häufiger treffen, vielmehr muss auch jemand die Koordination übernehmen. Ehrenamtliche Initiativen stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn die Frage ist, wer Zeit hat und gewisse Leistungen aus eigener Kraft erbringen kann. Für die Vernetzung sind hauptamtliche Strukturen daher ein enormer Vorteil.

Ein weiterer Erfolgsfaktor für die Verstetigung der Zero-Waste-Aktivitäten ist die Raumfrage. Es fehlt in Berlin schlicht an bezahlbaren und dauerhaft verfügbaren Flächen für zivilgesellschaftlich getragene Initiativen oder kleinere Läden und Betriebe. Wer den Übergang von der „Projekteritis“ zur richtigen gesellschaftlichen Verankerung des ressourcensparenden Wirtschaftens meistern will, muss nicht nur bezahlbaren, sondern auch dauerhaft nutzbaren Raum zur Verfügung stellen. So sinnvoll es ist, gemeinnützige Aktivitäten bei Zwischennutzungen zu berücksichtigen, so wichtig ist die langfristige Perspektive.

Was braucht es neben der Vernetzung?

Der BUND fordert daher 100 Umweltzentren, eines für jeden Berliner Ortsteil. In diesen öffentlich finanzierten Räumlichkeiten kann all das einziehen, was für die Abfallwende wichtig ist, sich aber nicht aus eigener Kraft tragen kann. Für einen etablierten, gut laufenden Unverpackt- oder Second-Hand-Laden ist es selbstverständlich, die Betriebskosten zu erwirtschaften und darüber hinaus einen schönen Gewinn zu erzielen. Repair-Cafés oder Umsonstläden hingegen fehlt grundsätzlich diese Möglichkeit, da es ihr Markenkern ist, gewisse Marktgesetze zu durchbrechen. Sie sind bislang auf gemeinnützige oder karitative Akteure als Träger und/oder Gastgeber angewiesen. Warum sollte dies nicht eine öffentliche Aufgabe werden?

Etliche Initiativen könnten expandieren und wesentlich stärker wirken, wenn sie sich weniger Gedanken um die Dimensionen Geld und Raum machen müssten. Hilfreich wäre es möglicherweise, wenn die Bildungsfunktion der Zero-Waste-Initiativen noch stärker in den Vordergrund rückte. Warum kooperiert nicht jede Schule mit den Initiativen in der Nachbarschaft, ob das nun Upcycling-Werkstätten, Tauschorte oder Foodsaver/Fairteiler sind?

Tschüss und bis bald!

Wir als Zero-Waste-Team vom BUND verabschieden uns an dieser Stelle nur vorübergehend. Wir bleiben nicht nur in der Abfall- und Ressourcenschutzpolitik aktiv – schließlich steht in rund einem Jahr die nächste Abgeordnetenhauswahl an –, sondern werden in nicht allzu ferner Zukunft mit einem neuen Projekt die Vernetzung der Berliner Zero-Waste-Szene weiter vorantreiben. Ein Termin steht schon, wenn auch nicht mit genauem Datum: Sofern uns keine Pandemie einen Strich durch die Rechnung macht, werden wir Anfang 2021 gemeinsam mit Life e. V., Kunst-Stoffe e. V., Zero Waste Your Life und Circular Berlin ein Zero-Waste-Festival veranstalten.

In diesem Sinne herzliche Grüße und bis bald!