Zero Waste Blog: Zwischen nützlich und nostalgisch: Gebrauchtwaren für alle

Vom Namen her reiht sie sich in den Bestand der Berliner Kaufhäuser wie „Mall of Berlin“ und „East Side Mall“ ein. Doch das Angebot in der „NochMall“[1] ist etwas anders. In dem neuen Gebrauchtwarenkaufhaus, das von der Berliner Stadtreinigung (BSR) betrieben wird, gibt es ausschließlich „altgediente“ Einzelstücke. Alle Gegenstände, die die zahlreichen Besucher*innen am 8. August 2020, dem Eröffnungstag, in ihre orangefarbenen Trolleys legen, haben bereits ein Leben hinter sich. Sie stammen aus Berliner Haushalten und wurden von der BSR eingesammelt. Tatsächlich ist von der Bratpfanne über die Katzentransportbox bis zum antiken Schaukelstuhl alles dabei. Die Regale werden aus den Beständen der Wertstoffhöfe Lengeder Straße in Reinickendorf und Hegauer Weg in Zehlendorf gefüllt. Wer noch gut brauchbare Dinge loswerden, aber nicht der Tonne überlassen möchte kann diese nun Montag bis Samstag zwischen 10 bis 18 Uhr in die Auguste-Viktoria-Allee 99 in 13403 Berlin-Reinickendorf bringen.

Wie viele - einst teuer gekaufte und dann vergessene - Dinge in manchen Kellern verstaut sind, ist manchen Berliner*innen besonders in diesem Frühjahr bewusst geworden. Von Schlangen vor Wertstoffhöfen war in den Nachrichten zu hören, da die Zeit in den eigenen vier Wänden für Aufräumarbeiten genutzt wurde. Unter dem abgegebenen „Sperrmüll“ und „Elektroschrott“ fanden sich sicherlich noch viele gebrauchsfähige Gegenstände, die einfach nicht mehr benötigt werden. Diese aufwändig produzierten Waren wurden bisher leider im besten Fall nur in ihre Einzelteile zerlegt und die Wertstoffe in den Stoffkreislauf zurückgeführt, um daraus neue Waren herzustellen[2]. Dabei können die Ressourcen und Energie, die für die neue Produktion und auch fürs Recycling noch nötig sind, gespart werden, wenn die intakten Gebrauchtwaren so wie sie sind weitergenutzt werden. Dies soll die NochMall ermöglichen.

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Das Prinzip ist nicht neu, sondern von Flohmärkten und Second-Hand-Shops gut bekannt. Dennoch ist es ein beachtlicher Schritt, um den Kauf von gebrauchten Waren wirklich in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Der BUND fordert deshalb schon lange nicht nur ein Gebrauchtwarenkaufhaus, sondern auch, die Entsorgungsbetriebe verbindlich dazu zu verpflichten, Intaktes und Reparierbares vor der Schrottpresse zu bewahren.[3] Nun verwirklicht sich diese Idee in Berlin erstmals im Stadtteil Reinickendorf. Der Geschäftsführer der NochMall, Frieder Söling, betont bei der Eröffnung, wie wichtig die Inspirationen durch andere Gebrauchtwarenkaufhäuser wie „Stilbruch“[4] in Hamburg und „Halle 2“[5] in München waren. Er sieht die NochMall auch für die bestehenden Berliner Gebrauchtwarenhäuser nicht als Konkurrenz, sondern möchte mit diesen kooperieren.[6] Insgesamt ist aber noch mehr geplant. Vereine und Initiativen aus dem Bereich Kreislaufwirtschaft sind eingeladen, die Räume zu nutzen, um mit Workshops oder Repair Cafés Nachhaltigkeit erlebbar zu machen. Dafür steht im oberen Geschoss der NochMall ein Werkstattbereich zur Verfügung. Zum Auftakt konnten interessierte Besucher*innen dort mit dem Verein Kunststoffe[7] aus kaputten Fahrradschläuchen Stempel herstellen. Ein vielversprechender Start für viele spannende Angebote, die in der Berliner Re-Use-Szene auf jeden Fall zu finden sind.

Einen eigenen Eindruck von der NochMall können sich sowohl Sparfüchse als auch Schatzsucher*innen künftig jeweils Montag bis Samstag zwischen 10 bis 18 Uhr machen.

Am Eröffnungstag zeigte sich bereits das große Interesse an dem neuen Gebrauchtwarenkaufhaus. Viele Besucher*innen gingen mit vollen Taschen Richtung Ausgang. Ein guter Schritt in Richtung Zero-Waste-Hauptstadt, der Potenzial zum Weiterdenken bietet: Immerhin gibt es in Berlin noch mehr Wertstoffhöfe in anderen Stadtteilen, an denen eine Abgabe noch verwendbarer Gegenstände bislang leider nicht möglich ist…