Zero Waste Blog: Nachhaltiges Silvesterfeuerwerk?

Das hierzulande übliche bodennahe Feuerwerk zu Silvester mag dem Einzelnen Freude bereiten, hat sich jedoch v.a. in Ballungsräumen wie Berlin zu einem unangenehmen und schädlichen Ereignis entwickelt.

Zum Jahresübergang 2020 auf 2021 war dies glücklicherweise etwas anders: Durch das Verkaufsverbot für Feuerwerkskörper wurde auch in Berlin deutlich weniger geböllert. Guter und notwendiger Grund war die angespannte Pandemielage. Verletzungen durch Feuerwerk und eine Zusatzbelastung der Kliniken konnten so erfolgreich vermieden werden.

Andere gute Gründe gegen das alljährliche Spektakel, wie die Vermeidung immenser Abfallberge, der Krach und die hohe Feinstaubbelastung hatten vorher leider nicht zu nennenswerten Einschränkungen der Böllerei geführt. Hoffentlich wird das in der Zukunft anders!

Denn die Folgen abgebrannter Pyrotechnik sind offensichtlich: Gewaltige Abfallberge zieren nach Silvester die Straßen. Bezahlt von der Allgemeinheit ist die BSR jedes Jahr in den Folgetagen im Großeinsatz: Noch vor der Pandemie wurden am 01.01.2020 mit 550 Einsatzkräften und 150 Fahrzeugen rund 400 Kubikmeter Silvestermüll eingesammelt. Das entspricht dem Inhalt von etwa 400 großen Abfalltonnen, Tendenz bis dahin steigend.  In den auf Neujahr folgenden Tagen wird noch weiterer Silvestermüll gesammelt. Ein Teil des Verpackungsmülls und bereits von den Verbrauchern entsorgte, abgebrannte Feuerwerkskörper werden gar nicht miterfasst. Und wenn man einmal darüber nachdenkt, wird doch das gesamte „Konsumgut Feuerwerkskörper“ in Folge seiner Nutzung zu Abfall, und zwar in Form von Verpackungsmüll, gasförmigen Reaktionsprodukten, Feinstaubpartikeln und Restmüll.

Dieser Abfall ist jedoch nicht nur der Menge wegen problematisch, sondern auch aufgrund seiner Qualität und der Tatsache, dass er nicht komplett entsorgt werden kann. In den Effektsätzen der Pyrotechnik werden diverse Metallsalze (z.B. von Barium, Kupfer oder Strontium) teilweise in Verbindung mit PVC (Mikroplastik) verwendet und in die Luft geschossen. Aber auch elementares Aluminium- oder Magnesiumpulver kommt zum Einsatz. Nitrate und Perchlorate liefern den nötigen Sauerstoff. Sicher, die Effektsätze sollten beim Abbrennen größtenteils chemisch umgesetzt werden, aber die problematischen Stoffe verschwinden nicht dadurch. Sie verwandeln sich in umweltschädliche Reaktionsprodukte und sammeln sich in unserem „Ökosystem Stadt“, wo wir doch eigentlich gesund leben wollen. Interessant ist eine aktuelle wissenschaftliche Studie zum Kunststoffabfall durch Silvesterfeuerwerk: Darin beziffern Mitarbeiter der Hochschule Pforzheim die Menge an Kunststoff-Müll, die infolge des Verkaufsverbots für Feuerwerkskörper zu Silvester 2020 nicht entstanden ist mit 3.500 t. Neben Verpackungsmaterial, dass sicherlich einen Großteil davon ausmacht, bestehen auch die Raketenkappen und Treibladungshülsen zumeist aus Plastik. Von den genannten Plastikhülsen fand ich selbst auch viele in meinem Hinterhof.

Und wie sieht es mit der Feinstaubbelastung aus? Jährlich werden EU-Grenzwerte massiv überschritten, Gesundheit und Umwelt durch das Feuerwerk über die Maßen belastet. An Stelle privater Böllerei könnte die Beschränkung auf einzelne zentrale öffentliche Höhenfeuerwerke eine deutliche Linderung der Belastung bewirken. Auch Abfallmengen, Lärm und Verletzungen würden auf diese Weise deutlich abnehmen. Solche zentrale Feuerwerke kennt man z.B. aus New York, Australien oder Neuseeland. Weiter reichende Restriktionen beim Silvesterfeuerwerk, verglichen mit Deutschland, gibt es in vielen Ländern und Großstädten: In Paris ist es z.B. gänzlich verboten.

 

Zweifelsohne ist Feuerwerk nicht nachhaltig, sondern umweltschädlich und je nach Ausmaß mehr oder weniger ungesund. Die öffentliche Böllerei, wie es bei uns praktiziert wird, bringt zwar manchem großes Vergnügen. Zugleich ist sich aber mutmaßlich jeder darüber im Klaren, dass die gerade gestartete Feuerwerksbatterie kein Beitrag zum Umweltschutz ist.

Silvesterfeuerwerk ist weder eine religiöse Handlung noch kulturelles Erbe. Es bereitet einfach einigen Vergnügen. Aber wenn wir wirklich beabsichtigen, die menschengemachten Probleme zu lösen, die heute unsere Gesundheit und in Zukunft unsere Lebensgrundlagen bedrohen, müssen wir unsere umweltschädlichen Rituale (die täglichen wie die seltenen) durch umweltfreundlichere ersetzen.

 

Ein Beitrag von Hardy Mitdank, Berlin, 24.01.2021