Zero Waste Blog: Wer über Müll redet, darf über Kleidung nicht schweigen

Wer über Müll redet, darf über Kleidung nicht schweigen

Also sprechen wir über Kleidung. Wir alle tragen welche und sind somit Mode-Expert*innen. Und wie so häufig kommt auch bei diesem Thema die Sprache schnell auf Punkte, die weniger schick sind.

Das fängt schon bei der Baumwollproduktion[1] an (Wasserverbrauch, Wüstenbildung, Pestizide), wird bei der Textilherstellung in Ländern wie Bangladesch, China und Pakistan richtig unschön[2] (niedrigste Löhne, unbezahlte Überstunden, Akkordarbeit, null Arbeitsschutz, Verbot gewerkschaftlicher Organisation, Gewalt durch Vorgesetzte) und hört auch nicht mit den Auswüchsen des Online-Handels (Verpackungsmüll und Lieferfahrten, Stichwort „ich bestell einfach mal beide Größen, umtauschen kostet ja nichts“) auf. Schließlich ist nicht allen aussortierten Klamotten eine zweite Karriere vergönnt.

Fast fashion ist nicht fesch

Nur noch knapp mehr als die Hälfte aller im Altkleidercontainer gesammelten Textilien eignen sich überhaupt für den Second-Hand-Gebrauch. Rund 10 Prozent sind völlig unbrauchbar und wandern in die Müllverbrennung, der Rest wird zu Dämmstoffen oder Putzlappen downgecycelt. Nach Angaben von Fairwertung,[3] dem Dachverband der kleidersammelnden gemeinnützigen Organisationen, ist das Sammelaufkommen seit Mitte der Neunzigerjahre um mehr als 20 Prozent gestiegen und die sozialen Einrichtungen erhalten weit mehr Altkleider, als sie benötigen.

Es wird also zu viel insgesamt und zu viel minderwertige Qualität produziert. Oder besser gesagt: gekauft. Schließlich sind es die Konsument*innen, die bei Primark und Co die Kassen klingeln lassen – und sich nicht beschweren, wenn die Nähte nach wenigen Wochen aufgehen, schließlich hat das T-Shirt nur fünf Euro gekostet.

Aber nur die Billig-billig-Ideologie zu bashen bringt wenig. Lasst es uns lieber besser machen! Wir können zum Beispiel unser Klamottenkaufbudget ganz bewusst für wenige, dafür hochwertige Stücke aufheben. Bei der Frage, was hochwertig ist, hilft z.B. das GOTS-Siegel[4] (Global Organic Textile Standard), das für die Beachtung ökologischer und sozialer Kriterien steht. Und Kleidungsstücke länger tragen. Ein kaputter Reißverschluss oder ein dicker gewordener Bauch sind kein Grund, eine gute Hose auszusortieren. Wer solche Reparaturen oder Änderungen lernen möchte, ist in einem Nähcafé gut aufgehoben (zum Beispiel in Steglitz am 18. Oktober[5]). Wer sie lieber Profis überlässt, findet in jedem Berliner Kiez eine Änderungsschneiderei. Weitere Möglichkeiten in deiner Nähe zum Kleider Aufhübschen, Umnähen, Tauschen, Weitergeben oder Spenden findest du auf remap-berlin.de[6]. Noch mehr zu den verschiedensten Kleidertauschmöglichkeiten dann nächste Woche.

Hast du noch mehr Ideen für weniger Textilmüll? Wir starten am Montag den Vernetzungsprozess der Berliner Zero Waste-Aktiven im Bereich Kleidung und halten Dich gerne auf dem Laufenden mit unserem Newsletter (Anmeldung und Ideen an: zerowaste@bund-berlin.de)!