Zero Waste Blog: Wird das Reparieren zum neuen Volkssport?

Es kommt nicht häufig vor, dass wir uns über Wachstum freuen, schließlich ist die kapitalistische Produktionssteigerungsideologie der wesentliche Treiber für wachsende Müllberge und schwindende natürliche Ressourcen. Doch das Wachstum der Reparatur-Bewegung ist großartig. Ein paar Zahlen gefällig? Mitte 2013, als die Repair Cafés von den Niederlanden aus begannen, sich international zu etablieren, zählte die Plattform repaircafe.org 36 Repair Cafés weltweit.[1] Heute sind es 1629, davon 1476 in Europa.[2] Diese Zahlen beziehen sich nur auf Einrichtungen, die den Begriff „Repair Café“ nutzen. Dazu kommen viele andere Initiativen, die sich Namen wie Reparier-Bar, Reparaturcafé, offene Werkstätte oder Bastelverein gegeben haben. Sie alle haben sich dem gleichen Ziel verschrieben, nämlich Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, so dass möglichst viele Menschen die Lebensdauer ihrer Gebrauchsgegenstände verlängern können. Allein in Deutschland zählt das Netzwerk Reparatur-Initiativen 658 solche Projekte.[3]

Glaubt man der Demoskopie, so stehen die Bundesbürger*innen dem Reparieren durchaus aufgeschlossen gegenüber. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens YouGov befürworten es 53 Prozent, Dinge zu reparieren statt neu zu kaufen. 70 Prozent können sich sogar vorstellen, ein Repair Café zu besuchen.[4] Wenn nur ein Bruchteil dieser 70 Prozent ihre guten Vorsätze in die Tat umsetzt, müssen aus den heute 658 Reparaturinitiativen noch viel mehr werden.

Was können Zero-Waste-Begeisterte dafür tun? Da wir als BUND in Berlin zwei Repair Cafés betreiben, hätten wir ein ganz konkretes Angebot bzw. eine Bitte: Helft uns in Schöneberg[5] und Steglitz[6] – als Reparateur*in oder als Organisator*in am Empfang und am Buffet! Falls diese beiden Repair Cafés für euch zu weit sind, dann werft doch mal einen Blick auf die Remap, das Berliner Zero-Waste-Portal. Die Karte dort verzeichnet für jeden Bezirk interessante Initiativen, darunter viele Repair Cafés. Oder möchtet ihr selbst ein Repair Café gründen? Dann wendet euch an unseren Spezialisten Daniel Affelt,[7] er kann euch bestimmt den einen oder anderen hilfreichen Tipp geben.

Übrigens kann man auch zu Hause vor dem Rechner die Reparaturbewegung unterstützen. Auf der wikibasierten Website iFixit könnt ihr Reparaturanleitungen schreiben oder verbessern. Praktischerweise gibt es auch dafür eine Anleitung.[8] Manchmal helfen aber auch Kleinigkeiten. Zum Beispiel könnt ihr mit einem Klick eine Petition für das Recht auf Reparatur unterstützen.[9] Diese Petition fordert die Bundesregierung dazu auf, sich auf EU-Ebene für einen leichteren Zugang der Verbraucher*innen zu Ersatzteilen und Herstellerinformationen einzusetzen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür, weil in Brüssel derzeit um die EU-Ökodesign-Richtlinie gerungen wird.