Zero Waste Blog: Von wegen Weltmeister

Von wegen Recyclingweltmeister

Die vorbildliche Abfalltrennung, die so viele Menschen in Deutschland gewissenhaft praktizieren, steht in einem krassen Widerspruch zu der miesen Recyclingquote. Dieser Befund darf aber nicht dazu führen, dass schlechter getrennt wird. Vielmehr muss die Politik dieses Thema endlich ernstnehmen.

Es war ein Schock, als China seine Ankündigung wahrmachte, ab dem 1. Januar 2018 keinen Plastikmüll mehr zu importieren.[1] Genauer gesagt: ein Schock für die deutsche Abfallwirtschaft. Denn die hatte jahrelang gut davon gelebt, Plastik aus Gewerbemüll und Gelber Tonne ins Reich der Mitte zu verkaufen. Doch dort hat man nun mittlerweile genügend eigenen Plastikmüll und wohl auch langsam die Nase voll den unschönen Effekten, die das (möglicherweise filterlose) Verbrennen von Stoffen nach sich zieht, die zum Recycling ungeeignet sind. 87 Prozent seines Plastikmülls hatte die EU einer Studie der Universität Leeds zufolge in den letzten Jahren nach China exportiert.[2] Jetzt müssen die Europäer*innen selbst sehen, wohin mit dem Zeug. Das betrifft vor allem Deutschland. Mit 17,6 Millionen Tonnen zwischen 1988 und 2016 sind wir für 8,22 Prozent des weltweiten Plastikmüllexports verantwortlich.[3] Für den selbsternannten Recyclingweltmeister eine ziemlich miese Bilanz.

Von der Tonne in den Ofen?

Wohin mit den Kunststoffabfällen? In Deutschland wurden 2015 (und das dürfte ungefähr auch noch im Jahr 2017 gegolten haben) 53 Prozent verbrannt[4]. Oder „energetisch verwertet“, wie es euphemistisch heißt. 2018 könnte dieser Anteil nach Schätzung des obersten Lobbyisten der Abfallwirtschaft, Peter Kurth, auf 65 bis 70 Prozent steigen.[5]

Ein Schock dürfte es aber auch für Bürger*innen und Verbraucher*innen sein, wenn ein so hoher Anteil des Plastikmülls in die Verbrennungsöfen wandert. Wozu trennen wir in mühevoller Handarbeit den Abfall, der trotz aller Bemühungen um Müllvermeidung und Suffizienz manchmal eben doch entsteht? Das Mülltrennen nun plötzlich einzustellen, ist keine Option. Zumal das Recycling in einigen wichtigen Sektoren ziemlich gut funktioniert (Bei Glas und Papier sind es um die 80 Prozent, wobei der BUND hier eine Steigerung auf 85 Prozent für durchaus machbar hält[6]). Nein, die Deutschen sollen Abfalltrennweltmeister*innen bleiben – aber die Politik muss dafür sorgen, dass das Recyceln endlich richtig in Gang kommt. Das gilt natürlich nicht nur für Kunststoffabfälle, sondern für alle Abfälle, die wertvolle Rohstoffe enthalten, zum Beispiel Elektrogeräte.

Die da oben sollen es richten

Eigentlich hat unsere Forderung, Wertstoffe im Abfall konsequent zu recyceln, schon längst Eingang in die Gesetzgebung gefunden. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz[7] hat eine schöne Zielhierarchie formuliert; Abfälle sind erstens zu vermeiden, zweitens wiederzuverwenden, drittens zu recyceln, viertens sonstig zu verwerten (zum Beispiel als Brenn- oder Verfüllungmaterial) und fünftens zu beseitigen – in dieser Reihenfolge, nicht etwa umgekehrt! Deshalb lautet unsere Forderung an „die da oben“ schlicht: Sorgt dafür, dass das Gesetz eingehalten wird! So banal das ist.

Wollt ihr uns dabei helfen? Dann schreibt an eure Abgeordneten im Bundestag und EU-Parlament. Macht ihnen eines klar: Das Recyceln wertvoller Rohstoffe im Abfall scheitert nicht an uns „da unten“!