Zero Waste Blog: Grün gewaschenes Plastik (Teil 2)

Unter bestimmten Umständen können Mikroorganismen Plastik abbauen. Klingt gut, aber einen nennenswerten ökologischen Vorteil haben biologisch abbaubare Kunststoffe nicht. Und das Müllproblem lösen sie mit Sicherheit nicht.

Unter dem irreführenden Begriff „Bio-Plastik“ werden zwei unterschiedliche Gruppen von Kunststoffen zusammengefasst. Erstens Kunststoffe, die nicht aus Erdöl, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen wie zum Beispiel Mais oder Zuckerrohr hergestellt werden. Diese bio-basierten Kunststoffe waren Gegenstand eines kürzlich hier veröffentlichten Blogbeitrags.[1] Zweitens biologisch abbaubare Kunststoffe, die durch Mikroorganismen zersetzt und von Bakterien weiter abgebaut werden. Um diese Gruppe geht es hier. Biologisch abbaubare Kunststoffe können gleichzeitig auch bio-basierte sein, müssen es aber nicht. Andersrum bedeutet die Tatsache, dass ein Kunststoff aus einem pflanzlichen Rohstoff hergestellt wird, nicht, dass er auch biologisch abbaubar ist. Entscheidend für die biologische Abbaubarkeit ist nicht das Ausgangsmaterial, sondern die chemische Struktur des Endprodukts.

Was genau heißt „biologisch abbaubar“? Das regelt das Prüfsiegel „DIN CERTCO für kompostierbare Kunststoffe“. Es garantiert, dass die mit ihm versehenen Plastikprodukte in einer Industriekompostierungsanlage bei 60 °C innerhalb von zwölf Wochen so weit abgebaut werden, dass nicht mehr als zehn Prozent der Ausgangsmenge übrig bleibt und die verbliebenen Partikel durch ein Sieb mit zwei Millimeter großen Löchern passen. Für die Entsorgung im Garten sind diese Kunststoffe also nicht geeignet, schließlich erreicht der heimische Kompost nicht die nötige Temperatur. Und selbst wenn: Beim Abbau von bio-abbaubaren Kunststoffen bleiben nur Wasser, CO2 und Mineralien übrig – Humus entsteht aber nicht. Gartenfreund*innen haben also keinerlei Nutzen vom Plastik-Kompost.

Tüten aus Maisstärke? Für die Kompostierung ein Ärgernis

Die industriellen Kompostierung erreicht zwar die geforderten 60 °C, allerdings liegt die Verweildauer von Bioabfall in den Anlagen nur bei rund vier Wochen. Für die Entsorgungsunternehmen wäre es äußerst unwirtschaftlich, die dreifache Zeit aufzuwenden. Zudem können die Kompostierungsanlagen bio-abbaubare Mülltüten nicht von solchen aus konventionellem Plastik unterscheiden und identifizieren sie daher als auszusortierenden Störstoff. Bei vermeintlich kompostierbaren Lebensmittelverpackungen sieht es ähnlich aus. Folglich ist es in vielen Kommunen – unter anderem in Berlin[2] – verboten, als Kompostbeutel vermarktete Tüten aus Maisstärke und andere bio-abbaubare Kunststoffe in den Bioabfall zu geben.

Aus diesen Gründen kommt ein Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts des Bundestags zu der Einschätzung: „Die Kompostierung von Kunststoffen trägt somit weder zur Struktur- noch zur Nährstoffverbesserung bei und entspricht eher einer Entsorgungsmaßnahme“.[3] Recyceln lassen sich die bio-abbaubaren Kunststoffe auch nicht besonders gut, schließlich sind sie nicht auf lange Haltbarkeit designt. Gleichzeitig gibt es keine Hinweise darauf, dass sich bio-abbaubare Kunststoffe in der Natur komplett abbauen. Im Gegenteil: Die Tatsache, dass sie schnell in kleine Einzelteile zerfallen, vergrößert das Problem mit Mikroplastik.[4] Und genauso wie konventionelle Plastikpartikel können die bio-abbaubaren Kunststoffe mit Druckfarben, Weichmachern und anderen Additiven versetzt sein. Wie sie sich im Meerwasser verhalten, ist bislang völlig unklar. In die Umwelt dürfen sie daher ebenso wenig wie normales Plastik gelangen.

Fazit: Bio-abbaubare Kunststoffe gaukeln eine Nachhaltigkeit vor, die sie nicht erfüllen. „Bio-Plastik“ stellt keine akzeptable Alternative zum herkömmlichen Kunststoff dar. Es hilft also nichts: Wir müssen viel, viel weniger Plastik produzieren und es dort, wo wir es tatsächlich nicht vermeiden können, so lange wie möglich nutzen.