Zero Waste Blog: Vom Plastikfasten zur Plastikwende

Während der Fastenzeit möglichst wenig Plastik und andere Verpackungen zu konsumieren, wird allmählich zu einer Tradition. Das ist gut. Noch besser ist aber, wenn es zur ganzjährigen Gewohnheit wird.

Na also, es geht auch ohne. Der Discounter Aldi verkauft Salatgurken seit Anfang April ohne Plastikverpackung.[1] Dass diese Meldung mitten in die Plastikfastenzeit platzte, mag Zufall sein, aber langsam scheint die Botschaft bei den großen Handelsunternehmen anzukommen: Die Verbraucher*innen wollen weniger Verpackung. Und bei kaum einem anderen Produkt wirkt die zusätzliche Plastikumhüllung so irritierend wie bei der Salatgurke, die mit ihrer eigenen Schale von Natur aus bestens geschützt ist. Kein Wunder, dass sie vielen als Symbol für überflüssige Plastikproduktion gilt. Aber es geht um viel mehr, als Salatgurken von ihrer künstlichen Zweithaut zu befreien. Das haben die vielen Posts unter dem Hashtag #plastikfasten gezeigt, die zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag auf Instagram erschienen sind.

Die Bilder zeigen, auf wie viele unterschiedliche Arten sich überflüssige (Plastik-)Verpackungen vermeiden lassen: immer Stoffbeutel für den Einkauf von losen Waren dabei haben, bislang unbekannte Mehrwegartikel im Laden entdecken, Backwaren im Leinenbeutel verstauen, Waschmittel selbst aus Wasser, Kernseife, Natron und ätherischen Ölen herstellen, Abschminkpads häkeln, alten Einwegverpackungen ein neues Leben schenken, gegen den Hunger unterwegs einfach Proviant von zu Hause in der Bentobox[2] mitnehmen – oder auch mal ein paar Einkäufe ersatzlos von der Liste streichen … Die Liste der oft so simplen, aber wirksamen Ideen ließe sich beliebig fortsetzen. Ein ausführlicher Erfahrungsbericht über das Plastikfasten ist im Berliner BUND-Blog umweltzoneberlin.de erschienen.[3]

Kein Phänomen der Ökonische mehr

Gegenüber dem Vorjahr hat das Plastikfasten 2019 noch einmal an Schwung zugelegt. Ostern vor einem Jahr fanden sich auf Instagram 1.717 Beiträge unter #plastikfasten, aktuell sind es 4.418 (Stand 25. April). Auf Facebook erreichte der BUND während der sechswöchigen Aktion 417.020 Menschen mit seinen Posts zu diesem Thema. Längst ist das Problem mit dem Plastik kein ausschließliches Thema der Ökonische mehr. Reichweitenstarke Portale wie Spiegel Online[4], Bayerischer Rundfunk[5] und web.de[6] veröffentlichten Tipps zum Plastikfasten, währende diverse Regionalmedien Plastikfastende porträtierten.[7]

Wie geht es nach Ende der Fastenzeit weiter? Wer sich sechs Wochen lang ernsthaft mit Alternativen zum Plastikwahnsinn beschäftigt hat, wird nach Ostern wohl kaum anfangen, hemmungslos Abfall zu produzieren. Dazu ist das plastikarme Leben viel zu schön – und auch zu einfach, wie die BUND-Tipps zum plastikfreien Einkaufen zeigen.[8] Die Herausforderung dürfte eher sein, das Thema im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten. Der BUND schlägt vor, einfach weiterzumachen und nur den Hashtag zu wechseln: aus #plastikfasten wird #plastikwende.