Zero Waste Blog: Das Zauberwort lautet selber machen

Das Zauberwort lautet selber machen

Food-Experience-Designerin Inés Lauber über gute Essensplanung, hartes Brot und eine Initiative  namens Arme Ritter.

Inés, du koordinierst ein Projekt namens „Arme Ritter“ von Slow Food Youth Deutschland, welches während der Slow Food Akademie 2017 entstanden ist. Bedeutet das, dass ihr euch auf Resteverwertung konzentriert?

Nicht nur. Es geht um ganz grundlegende Fragen. Wo bekomme ich mein Essen her? Wie lagere ich es? Vieles, was früher Standardwissen war, haben wir heute verlernt. Früher hatten Lebensmittel einen höheren Stellenwert, weil man einen viel höheren Anteil des Einkommens dafür aufwenden musste. Was viel kostet, ist einem mehr wert als das, was wenig kostet. Heute bekommt man Lebensmittel sehr günstig, wobei günstige Lebensmittel aber nicht unbedingt gut sind. Wenn man über diese Zusammenhänge nicht Bescheid weiß, riskiert man krank zu werden. Auf vielerlei Art.

Heißt das im Umkehrschluss, dass gute Ernährung etwas für Reiche ist?

Das ist Gerücht, das sich hartnäckig hält. Zwar sind Biolebensmitteln zurzeit ein bisschen teurer als andere, wobei man sagen muss, dass der niedrigere Preis für konventionelle Lebensmittel ein verschleierter Preis ist, bei dem viele Kosten nicht berücksichtigt werden. Wir wollen mit „Arme Ritter“ klarmachen, dass sich alle Menschen gute Ernährung leisten können. Das Zauberwort lautet „selber machen“, also kochen. Essen gehen kostet eben, zumindest wenn es gut sein soll.

Hat schlechte Ernährung eher mit mangelndem Wissen oder mit mangelndem Engagement zu tun?

Wissen allein reicht nicht, ohne Motivation verfällt man schnell wieder in alte Handlungsmuster. Die Leute finden es aufwendig, jeden Tag frisch zu kochen. Hier kommt Planung ins Spiel. Also nicht nur daran denken, was ich jetzt essen will, sondern schon für später vorbereiten. Zum Beispiel kann ich heute ein Pesto machen, sodass ich morgen nur noch Pasta kochen muss. Aber damit es sich richtig lohnt, mache ich gleich mehr Pesto und hebe es auf. Oder wenn ich Brot trockne, dann tue ich auch nicht für heute, sondern für die nächsten Tage.

Was hat die „Arme Ritter“-Initiative vor?

Wir wollen auf spielerische Art und Weise Themen wie Lebensmittelverschwendung, Selberkochen und Herkunft der Waren ansprechen und günstige oder gar kostenfreie Quellen für gute Lebensmittel vorstellen. Und natürlich kochen!

Wann geht es los?

Die erste Veranstaltung findet am 21. Juli statt, das ist ein Sonntag. Nach einem Inspirationstalk werden wir mit 20 Leuten gemeinsam ein Mittagsessen kochen, das sich im Preisrahmen von drei bis fünf Euro pro Person bewegt. Natürlich alles in Bioqualität: Apéro, Vorspeise, Hauptgang, Dessert. Das ist etwas üppiger als das, was man normalerweise zu Mittag isst, aber wir wollen zeigen, was man mit so einem Budget Tolles machen kann.

An wen richtet sich diese Veranstaltung?

Wir laden Menschen aus vier verschiedenen Zielgruppen ein. Erstens Studierende und Azubis, zweitens Geringverdienende, drittens Familien mit Kindern und viertens Blogger*innen bzw. Presse.  Da eine Teilnahme nur mit Einladung möglich ist, bitten wir diejenigen, die Interesse haben, dabei zu sein, und  sich in einer der vier oben genannten Zielgruppen wiederfinden können, eine E-Mail an hello@ineslauber.com zu schicken und zwei oder drei Sätze zur eigenen Person zu schreiben und warum man mitmachen will.

Wie findet man euch in den sozialen Medien?

Bei Instagram heißen wir die_armen_ritter[1]  und bei Facebook diearmenritter[2] .

Für diejenigen, die bei eurer Veranstaltung am 21. Juli nicht dabei sein können: Was ist denn nun das beste Arme-Ritter-Rezept?

Arme Ritter natürlich … Ich persönlich finde Rezepte mit altem Brot immer spannend. Brot ist ja etwas, was auch bei der Lebensmittelrettung im Vordergrund steht. Es ist ein sehr hochwertiges Lebensmittel und fällt in riesigen Mengen an. Brot kann eigentlich gar nicht schlecht werden, sondern nur trocken und hart. Jedenfalls wenn es richtig gelagert wird. Wenn Brot schimmelt, wurde es falsch gelagert – zum Beispiel in Plastik. Generell würde ich sagen, dass Plastik nicht die beste Verpackung für Essen ist. Brot sollte man einfach im Stoffbeutel lagern. Mit etwas Wasser lässt es sich im Ofen wieder aufbacken und schmeckt wie neu. Bei richtig hartem Brot muss man etwas kreativer werden und kochen, zum Beispiel leckere Knödel, ein Auflauf oder Kuchen ... 

 

Zur Person: Food-Experience-Designerin Inés Lauber studierte Produktdesign an der Fachhochschule Potsdam. Schon während dessen lag ihr Fokus auf Projekten rund um das Thema Essen als gesellschaftliches Erlebnis und kulturelles Gut. 2012 gründete sie Studio Inés Lauber, ein Designstudio für kulinarische Konzepte und Trendforschung[3].  Seither konzipiert und gestaltet sie Rauminstallationen, inszeniert Veranstaltungen und Pop-Up-Restaurants, leitet Workshops und realisiert Performances, Ausstellungen und Guerilla-Aktionen – alles rund um das Thema Essen und Lebensmittel. Da Essen auch durchaus politisch ist, ist Inés Lauber seit 2013 Teil von Slowfood Youth Berlin, seit 2018 begleitet sie das Programm der Slowfood-Akademie mit Workshops und kreativem Input.

Ineslauber

Foto: Fabian Grimm

 Portrait: Constanze Flamme