Zero Waste Blog: Abfallarmes Baden

Wo sich Menschen längere Zeit aufhalten, verlangen sie nach Speise und Trank; vor allem dann, wenn sie schweißtreibenden Tätigkeiten wie in der Sonne liegen, Ball spielen, planschen und schwimmen nachgehen. Wie viele der Gäste in den Berliner Freibädern (allein in den Monaten Juli und August des Hitzesommers 2018 waren es 3,8 Millionen[1]) ihr eigenes Essen und Trinken mitbringen, ist nicht bekannt, allerdings macht der mitgebrachte Verpackungsmüll nach Angaben der Bäderbetriebe den größten Teil des Mülls in den Bädern aus.

Welche Möglichkeiten hat der landeseigene Badebetrieb selbst, Einfluss auf die Abfallmenge zu nehmen? Durchaus einige, wie die Senatsverwaltung für Inneres und Sport in ihrer Antwort auf eine Schriftliche Anfrage des grünen Abgeordneten Georg Kössler im Juli 2018 mitteilte.[2] In 36 Hallen- und Freibädern gibt es demnach gastronomische Einrichtungen, von denen 34 an externe Dienstleister vermietet oder verpachtet sind. Diesen Pächter*innen, so heißt es in der Antwort von Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki, sei „es nicht gestattet, Einweggeschirr und -besteck sowie Dosen und Einwegflaschen zu verwenden“.[3]

Zu schön um wahr zu sein

Das nennen wir einmal eine klare Ansage, die fast zu schön ist, um wahr zu sein. Und tatsächlich ist sie auch nicht wahr, zumindest nicht ganz. Auf eine zweite Schriftliche Anfrage, die der Abgeordnete Kössler zur Präzisierung des Sachverhalts einreicht, antwortet die Senatsverwaltung vier Monate später deutlich zurückhaltender. Nun heißt es lediglich, die Verwendung von Einweggeschirr und -besteck sowie von Dosen und Einwegflaschen sei zu vermeiden.[4] Diese Formulierung wählt auch der Pressesprecher der Bäderbetriebe, Matthias Oloew. Man weise die Pächter*innen jährlich darauf hin. Die Kontrollen durch Mitarbeitende der Bäderbetriebe ergäben, dass sich die Pächter*innen weitgehend an die Vorgabe hielten, so Oloew weiter.

Davon wollen wir uns natürlich mit eigenen Augen überzeugen. Wo fangen wir an? Am besten im Internet. Auf dem Instagram-Account der Bäderbetriebe finden wir schnell den Freibadklassiker: Pommes rot-weiß, serviert auf Pappe mit Einweggabel aus Holz.[5] Daneben ein Bild von Limo im Plastikbecher – mit Plastikstrohhalm.[6] Genau diese Wegwerfplastikartikel hat das Europäische Parlament im Frühjahr unter gigantischem Beifall verboten.[7] Bis 2021 dürfen sie noch genutzt werden. Aber verträgt sich das Ausreizen dieser Frist mit der Vorgabe, Einwegprodukte zu vermeiden?

Kein Geld für eine Spülmaschine?

Beim Plastikbecher hingegen ist die Situation auf den ersten Instagram-Blick nicht so eindeutig wie beim Strohhalm. Theoretisch könnte es sich auch um einen Mehrwegbecher handeln, das müssen wir vor Ort klären. Also ab ins Sommerbad Humboldthain, in dem die besagten Fotos aufgenommen wurden. In der Kühlvitrine des Kiosks stehen sowohl Einweg- als auch Mehrwegflaschen. Bier und manche Limonaden gibt es in Mehrwegglasflaschen, Wasser dagegen ausschließlich in Plastikeinwegflaschen. Nun schiebt der Imbissverkäufer die georderte Limo in der Glasflasche aber nicht einfach über den Tresen, sondern füllt sie in einen Plastikbecher um. Aus Sicherheitsgründen. Wie schon befürchtet hält man nun also einen dünnwandigen Wegwerfbecher in der Hand. Aber nicht irgendeinen. Die Pächterin hat ihn mit ihrem Firmenlogo bedrucken lassen. Dafür war offensichtlich Geld übrig, für eine Spülmaschine aber nicht? Auf Nachfrage bestätigt der Verkäufer: Nein, es gibt kein Pfand auf den Becher, er ist nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehen und danach zu entsorgen. Als er merkt, dass es uns um die Abfallreduzierung geht, kramt der freundliche junge Mann einen Mehrwegplastikbecher hervor. Ist das die Lösung: Mehrweg für hartnäckige Ökos, Einweg für die Masse?

Andere sind schon weiter

Diese erste Stichprobe fällt ernüchternd aus. Müßig zu erwähnen, dass auch Pommes, Wurst und Kuchen auf Einweggeschirr ausgegeben wird. Ausgerechnet die Gastronomie im Sommerbad Humboldthain, für die die Bäderbetriebe extra Werbung machen, ist quasi mehrwegfreie Zone. Das Sicherheitsargument mag an einigen Stellen gegen Glas und Porzellan sprechen, nicht aber gegen Mehrwegkunststoff. Im Kinderbad Monbijou, wo die Bäderbetriebe die Gastronomie selbst betreiben, gibt es Getränke ausschließlich in Mehrwegbechern gegen Pfand. Es geht also. Und warum soll in Freibädern nicht funktionieren, was sich in Fußballstadien und bei Straßenfesten seit Jahren bewährt?

Wie es wohl in den anderen Berliner Freibädern zugeht? Was habt ihr, liebe Leser*innen, dort in Sachen Mehrweg versus Einweg beobachtet? Postet eure Bilder auf [#einwegfreibad]!