Zero Waste Blog: Mühseliges Plastikfischen

Plastik aus den Weltmeeren zu fischen, ist ein bisschen wie das Vorhaben, CO2 aus der Atmosphäre zu holen, nachdem es dorthin emittiert wurde: technisch unerprobt, Erfolg fraglich, aber mit Sicherheit extrem teuer. Immerhin zeigen die vielen Müllsammel-Initiativen, wie wenig geeignet die Ozeane als Mülldeponie sind.

Im Januar hatten wir vom Scheitern des Projekts „Ocean Cleanup“ berichtet.[1] Doch das Team um den 24-jährigen Niederländer Bojan Slat ist zäh. Seit Ende Juni ist ein zweiter Prototyp des Plastikstaubsaugers im Großen Pazifischen Müllstrudel unterwegs.[2] Ob das System funktioniert, konnten die Leute von „Ocean Cleanup“ aber noch nicht beweisen.[3] Damit geht es ihnen ähnlich wie einer Handvoll anderer Initiativen, die sich ebenfalls der Aufgabe verschrieben, die Weltmeere von der Geisel der Plastikverschmutzung zu befreien.

Anders als „Ocean Cleanup“ hat sich „Pacific Garbage Screening“ das Ziel gesetzt, auch Mikroplastik aus dem Wasser zu fischen.[4] Die Initiative um die Aachener Architektin Marcella Hansch plant eine Plattform, die Meeresströmungen punktuell so weit beruhigt, dass unter Wasseroberfläche treibende Plastikpartikel dank ihres eigenen Auftriebs an die Oberfläche steigen, wo sie abgeschöpft werden. Netze, in den sich Meerestiere verfangen könnten, wären nicht nötig. Zum Einsatz kommen kann die Plattform auch in Flüssen, um den Eintrag von Plastik näher an der Quelle zu unterbinden.[5] Da das im Salzwasser eingesammelte Plastik nicht mehr recycelt werden kann, weil seine Molekülstruktur zerstört ist, soll – so die Idee – es durch Vergasung in Wasserstoff und Kohlendioxid aufgespalten werden. Der Wasserstoff soll der Energiegewinnung dienen, das CO2 soll nicht in die Atmosphäre entweichen, sondern vielmehr Algenkulturen als Nahrung dienen.[6] Allerdings existiert die „Pacific Garbage Screening“-Müllsammelplattform bislang nur als Simulation. Momentan beschäftigt sich der zugehörige gemeinnützige Verein vor allem mit der Akquisition von Fördermitteln.

Sollte es sich etwa um PR handeln?

Etwas weniger ausgefeilt kommt dagegen die Idee daher, die die britische Initiative „Ocean Saviour“ letzten Herbst vorstellte. Sie will ein Müllsammelschiff auf die Weltmeere schicken, das das laufend eingesammelte Plastik als Treibstoff nutzt.[7] Nach einem gewissen Medienrummel zum Start der Initiative[8] wurde es aber still um „Ocean Saviour“. Das letzte Lebenszeichen kam in Form eines Tweets Mitte Februar.[9] War „Ocean Saviour“ etwa nur ein PR-Coup seiner in der Luxusjachtszene aktiven Gründer?

Weniger effekthaschend kommen die Aktivitäten von KIMO daher. Der Zusammenschluss von Küstengemeinden in Schweden, Norwegen, Dänemark, Schottland, Niederlande und Belgien stattet Fischereiunternehmen mit speziellen Behältern aus, in denen diese Plastikmüll verstauen können, den ihre Schiffsbesatzungen als Beifang aus dem Meer geholt haben. Fast noch wichtiger: Die involvierten Gemeinden nehmen den gesammelten Müll ab und „entsorgen“ ihn so gut sie können.[10] Weil an ihren Stränden immer mehr Müll angeschwemmt wird, organisieren norwegische Kommunen seit einige Zeit eine sogenannte Küstenlotterie (norwegisch kystlotteriet):[11] Unter allen Menschen, die beim Müllsammeln am Strand mitmachen, verlosen sie Sachpreise. Diese Form des Meeresschutzes ist jetzt auch in Mecklenburg-Vorpommern in der Diskussion.[12]

Plogging und Planking

Nicht zu vergessen auch die vielen privaten Müllsammelaktionen an Stränden auf allen Kontinenten. Plogging oder Planking, also die Kombination von Joggen oder Spazierengehen mit Plastikaufsammeln, ist für einige Menschen auch zur Ferienbeschäftigung geworden.[13] In manchen Fällen mag dies auch mit dem schlechten Gewissen nach einer Flugreise zu tun haben.

So begrüßenswert all diese einzelnen Initiativen sind, so sehr bleiben sie ein Rumdoktern an den Symptomen. Das soll freilich kein Vorwurf an diejenigen sein, die viel Zeit, Energie und manchmal auch Geld dafür aufwenden, Plastik aus dem Meer zu holen. Vielmehr müssen wir alle dafür sorgen, dass die Produktion von Wegwerfplastik endet. Der kürzlich erschienene Plastikatlas hat gezeigt, dass auch wir Europäer*innen mit vermeintlich gut funktionierenden Entsorgungssystemen mitverantwortlich für Plastikströme in Richtung Südostasien sind, wo der größte Eintrag von Plastikmüll ins Meer stattfindet.[14]

Foto: Adege/pixabay.com