Zero Waste Blog: Schöne Scheiße

Wenn man mal vom Mittelalter absieht, ist die Geschichte des Umgangs mit der menschlichen Notdurft eine Geschichte der allmählichen Verbesserungen. Jetzt steht wieder Optimierung an: Statt Klärschlamm klimaschädlich zu verbrennen, sollten wir die Nährstoffe unserer Ausscheidungen besser im natürlichen Kreislauf belassen.

Nachdem antike Hochkulturen (Sumerer 5000 v. Chr., Knossos/Kreta 2000 v. Chr., Rom 600 v. Chr.)[1] bereits Wassertoiletten mit Abwasserkanälen kannten (die allerdings einer kleinen Oberschicht vorbehalten waren[2]), landeten im Mittelalter die Absonderungen auch der feineren Herrschaften auf der Straße oder bestenfalls auf freiem Gelände.[3] Da war es schon ein Fortschritt, wenn Kot und Urin direkt in ein schnelles Fließgewässer gelangten, wie etwa bei den öffentlichen Aborten auf der London Bridge im Spätmittelalter.[4] Nach derselben Logik plante Preußen 1816 ein erstes Wasserwerk für Berlin, das einzig die Aufgabe haben sollte, die Rinnsteine der Stadt regelmäßig ordentlich durchzuspülen.[5] Denn dort entleerten die Berliner*innen ihre Nachttöpfe, was für die Qualität des Trinkwassers nicht von Vorteil war. Die ab 1872 nach Plänen von James Hobrecht gebaute Kanalisation löste das Problem auf grundlegend andere Weise: Die Abwässer wurden auf eigens angekaufte Flächen im Umland gepumpt und dort verrieselt.

Doch die Rieselfelder waren gerade einmal ein Jahrhundert in Betrieb. Zwar überwogen zunächst die Vorteile: Die hygienische Situation in der Stadt verbesserte sich deutlich und die kargen Böden am Stadtrand profitierten von den Nährstoffen: Noch bis Ende der 1940er-Jahre wurden auf den Berliner Rieselfelder Obst und Gemüse für die Großstadt angebaut.[6] Doch schon nach wenigen Jahren mehrten sich Anzeichen für Überdüngung. Vor allem aber verunreinigten mehr und mehr industrielle Abwässer (1925 schon über 7 Prozent des Aufkommens) die Rieselfelder mit Schwermetallen,[7] so dass im Lauf des 20. Jahrhunderts Klärwerke die (Vor-)Reinigung der Abwässer übernahmen. Das letzte größere Rieselfeld wurde 1998 stillgelegt.[8]

Geht es noch besser?

Aber ist die derzeitige Form der Abwasseraufbereitung in den Klärwerken der ultimative Stand der Technik, quasi das Ende der Geschichte im Fäkaliensektor? Hoffentlich nicht. Denn in den Klärwerken bleiben erhebliche Mengen Klärschlämme übrig, die zu 100 Prozent verbrannt werden. Das ist aus zwei Gründen problematisch. Erstens weil dabei Treibhausgase und Quecksilber freigesetzt werden. Zweitens gehen bei der Klärschlammverbrennung wertvolle Nährstoffe verloren.

Schadstoffe im Abwasser sind kein Naturgesetz. Sie kommen nur deshalb dort vor, weil Stoffe in den Abfluss gelangen, die dort nichts verloren haben. Das gilt für industrielle Abfälle genauso wie für Müll aus Haushalten: Farben und Lacke, Lösungsmittel, Medikamente, Hygieneartikel, Katzenstreu, Zigarettenkippen, Kunststoffe … Der BUND setzt sich deshalb dafür ein, dass die Abfallberatung so viele Menschen wie möglich anspricht, um die Sensibilität für dieses Thema zu vergrößern.[9]

Nährstoffe sammeln statt verbrennen

Noch wichtiger ist es jedoch, die Abwassermenge insgesamt zu verringern, damit weniger Klärschlamm verbrannt wird und die hochkonzentrierten Nährstoffe im menschlichen Urin und Kot im Stoffkreislauf bleiben. Dazu gibt es eine relativ einfache Lösung: Trockentrenntoiletten.[10] Sie sind nicht nur eine gute Alternative für die herkömmlichen Dixiklos, in denen die Ausscheidungen lediglich gesammelt und später der Kanalisation übergeben werden, sondern grundsätzlich auch für Wohnungsbau geeignet, wie das Ökodorf Siebenlinden schon bewiesen hat.[11]

Während das große Geschäft für die Kompostierung geeignet ist, lässt sich Urin zu einem Flüssigdünger verarbeiten. Dazu werden die Nährstoffe gebunden, so dass der Urin seinen strengen Geruch verliert. Aktivkohlefilter entfernen Medikamentenrückstände. In der Schweiz ist der aus Urin gewonnene Flüssigdünner, der Stickstoff, Phosphor und Kalium enthält, schon zur Düngung auch von essbaren Pflanzen zugelassen.[12]

Wir finden: Es lohnt sich, Urin und Faeces ordentlich zu recyceln. Und gleichzeitig die Einleitung von Schadstoffen aller Art ins Abwasser zu stoppen, immer nach dem Motto „Aufs Klo gehört nur der Po“.