Zero Waste Blog: Spar Müll statt Sperrmüll

Jetzt entrümpeln? Ganz schlechte Idee. Die Wertstoffhöfe sind überlastet und die Altkleidersammelstellen wissen nicht wohin mit den Textilien. Also besser erst einmal alles behalten und Neuanschaffungen aufschieben. Der nächste Flohmarkt kommt bestimmt.

Corona ändert vieles. Zum Beispiel die Polizeistatistik. Seit Mitte März verzeichnet die Berliner Polizei enorme Rückgänge bei Wohnungseinbrüchen, Diebstählen sowie Rohheits- und Sexualdelikten. Nur bei Kellereinbrüchen steigen die Anzeigen.1 Wobei: Dass die Kellereinbrüche jetzt mehr geworden sind, ist unwahrscheinlich. Vielmehr haben die meisten Menschen – zumindest die, die nicht in „systemrelevanten“ Berufen arbeiten – mehr Zeit für den Frühjahrsputz und gehen in diesem Zusammenhang erstmals seit Wochen oder Monaten wieder in den Keller. Aber nur bei einigen wenigen Glücklichen haben die Einbrecher*innen genau das gestohlen, was zur Entsorgung vorgesehen war.

Also ab zum Wertstoffhof mit dem alten Plunder? Bitte nicht. In Berlin haben die Recyclinghöfe zwar geöffnet, aber die BSR bittet inständig darum, sie nur in wirklich wichtigen Fällen aufzusuchen.2 Anderenorts hatten die Entsorgungsbetriebe ihre Wertstoffhöfe erst einmal geschlossen, um Beschäftigte und Besucher*innen vor Infektionen zu schützen, so etwa in weiten Teilen Bayerns.3 In Leipzig öffneten die Wertstoffhöfe nach zweiwöchiger Schließung und sahen sich umgehend mit einem riesigen Andrang konfrontiert.4 Hier musste sogar die Polizei eingreifen, weil sich die wartenden Autos bis auf Straßenbahngleise stauten, aber niemand aus der Warteschlange Platz machen wollte.5

Auch die Karitativen haben dichtgemacht

Um ein Entrümplungs- und Ausmistmoratorium bitten nicht nur die kommunalen Entsorger, sondern auch die gemeinnützigen Altkleidersammlungen. Weil sämtliche Secondhandläden derzeit geschlossen sind, ist die Nachfrage nach gebrauchten Textilien eingebrochen.6 Gleichzeitig haben Sortierbetrieben geschlossen und Spediteure leben in Quarantäne. Da passt es sehr schlecht, dass die Container überquellen, weil viele Menschen nun Muße haben, sich von alten Klamotten zu trennen. Der Dachverband Fairwertung bittet daher, bereits aussortierte Kleidung vorerst zuhause zu lagern und erst nach einer Normalisierung zu spenden. Auch vor vollen Containern und geschlossenen Secondhandläden sollen keine Kleiderspenden abgelegt werden.7

Wer nicht aussortiert, sollte auch nicht neu kaufen. Um den Stau von nicht mehr gewollten Textilien zu verringern, ist es sinnvoll, jetzt keine neuen Stücke zu kaufen. Dies funktioniert nun ohnehin nur im Versandhandel, also ausgerechnet in der einzigen Sparte, die von der jetzigen Situation profitiert. Positiver Nebeneffekt des Neukaufstopps: Die Papiercontainer könnten wieder etwas leerer werden – der Papierverbrauch ist aufgrund des auch schon ohne Coronakrise boomenden Versandhandels dramatisch gestiegen, was auch bedeutet, dass der Holzbedarf für die Frischfaserproduktion steigt.8

Nächste Woche fragen wir in diesem Blog, wie die Secondhandwirtschaft durch die Krise kommt und welche Plattformen zum Tauschen, Verschenken und Gebrauchtwarenkauf noch funktionieren.

1 https://www.tagesspiegel.de/politik/berlins-polizeipraesidentin-ueber-die-corona-krise-haben-enorme-rueckgaenge-bei-bestimmten-straftaten/25715144.html

2 https://www.bsr.de/hinweise-fur-unsere-recyclinghofe-27555.php

3 https://www.br.de/radio/bayern1/wertstoffhof-corona-geoeffnet100.html

4 https://www.mdr.de/video/mdr-videos/a/video-398426.html

5 https://www.radioleipzig.de/beitrag/lange-schlangen-vor-den-leipziger-wertstoffhoefen-633664/

6 https://www.fr.de/wirtschaft/buerger-misten-13645744.html

7 https://www.fairwertung.de/presse/news.105/index.html