Zero Waste Blog: Zeugs online loswerden

Flohmärkte, Secondhandläden, Kleidertauschpartys: Der Gebrauchtwarenmarkt macht derzeit Corona-bedingt Zwangspause. Allerdings funktionieren die meisten Online-Alternativen weiterhin, wenn auch mit Einschränkungen. Ein Überblick.

Letzte Woche hatten wir an dieser Stelle dazu aufgerufen, Dachboden und Keller nicht unbedingt jetzt zu entrümpeln. Genauer gesagt: keinen aussortierten Sperrmüll in die Wertstoffhöfe zu bringen, weil diese bundesweit unter besonders großem Ansturm ächzen.1 Aber nichts spricht dagegen, ungenutzte Gegenstände jetzt in verschiedene Stapel zu sortieren, zum Beispiel in zu Reparierendes, zu Verschenkendes, zu Verkaufendes, zu Entsorgendes (dieser letzte Stapel sollte natürlich der kleinste sein).

Für diejenigen, die keinen Lagerplatz haben oder nicht warten können oder wollen, gibt es ein paar online organisierte Alternativen – mit oder ohne finanzielle Komponente. Gänzlich unkommerziell ist in Berlin der von der BSR aufgesetzte Tausch- und Verschenkmarkt. Geldflüsse sind hier nicht erlaubt, wer statt „schenken“ die Option „tauschen“ wählt, definiert den Gegenwert, zum Beispiel ein Paar Langlaufski gegen zwei Flaschen Karottensaft (bio) oder die komplette sechste Staffel von „Dallas“ gegen eine Packung Katzenstreu. Die Standardübergabe ist die Selbstabholung. Wie diese kontaktfrei organsiert wird, bleibt den Beteiligten überlassen. Einige Inserent*innen werben mit der Selbsteinschätzung „coronafreier Haushalt“.2

Kleinanzeigenportale im Netz

Ausschließlich auf den Postversand sind die überregionalen Tauschbörsen angewiesen, hier seien Tauschbillet3 und Tauschticket4 genannt. Allerdings gründen diese Börsen auf dem Grundsatz „Dinge gegen Dinge“ – wer nur Zeugs loswerden will, sollte besser zum klassischen Anzeigenportal gehen. Die meisten kommerziellen Portale für Kleinanzeigen machen business as usual, empfehlen aber den Versand, um persönliche Begegnungen zu vermeiden, so der Platzhirsch Ebay Kleinanzeigen5 und Kalaydo6. Und löblich: Das Portal markt.de will derzeit besonders gefragte Produkte wie Desinfektionsmittel, Mundschutz und Klopapier nicht zu Wucherpreisen verkauft sehen.7

Ob die Online-Annoncen allerdings zum (schnellen) Verkaufserfolg führen, kann man als Inserent*in vorher nie wissen. Wer diese Ungewissheit scheut, sollte lieber an Re-commerce-Unternehmen verkaufen. Die Ankaufportale zahlen für zwar nur kleine Preise und lassen nicht mit sich handeln, aber das Geschäft kommt zuverlässig und sofort zustande. Das Prinzip ist immer gleich: den Artikel identifizieren, den Zustand klassifizieren, den Ankaufspreis ermitteln lassen und – wenn der Preis stimmt – den Gegenstand verschicken.

Bei Büchern macht es die Masse

Bei Büchern liegt der Ankaufspreis oft nur bei ein paar Cent, bei gut funktionierenden und mehr oder weniger aktuellen Smartphones dagegen im dreistelligen Eurobereich. Der Branchenpionier momox8 kauft Bücher, CDs, DVDs und Computerspielen an, um sie als medimops9 wieder zu verkaufen, seit 2019 veräußert er unter ubup10 auch Secondhand-Kleidung. Andere Re-commerce-Unternehmen wie ReBuy11 und Zoxs12 legen den Schwerpunkt auf den An- und Weiterverkauf von Elektronik. Bücher kaufen die meisten an.13 Und zum Thema Bücher: wer seine Bücher einem guten Zweck zuführen will, nutzt in kleinen Mengen die lokalen öffentlichen Bücherregale und Give-Boxen oder bringt sie ebenfalls kontaktfrei zu Berliner Einrichtungen der Bücherspende14.

Aber wie gesagt: Vielleicht eilt es doch nicht so sehr mit dem Ausmisten und Verkaufen. Zumindest die Mitarbeiter*innen der Versandbranche hätten wohl nichts dagegen, wenn sie derzeit ein paar Pakete weniger transportieren müssten. Und sobald die Corona-Beschränkungen wegfallen, gibt es wieder jede Menge Möglichkeiten, Zeugs offline und persönlich loszuwerden – in Berlin zu finden auf der Remap.15

13 Eine Übersicht über ausgewählte Ankaufsdienste mit Schwerpunkt Bücher findet sich hier: https://www.stern.de/vergleich/buecher-verkaufen/